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Abschied von einer Bürgermeisterin mit Haltung und Herz: Sabine Michalek geht von Bord

(c) Foto: Frank Bertram

Es gibt Veranstaltungen, da passt imgrunde alles – von der Musikauswahl, den würdigenden Laudatoren bis hin zu den für alle in der Multifunktionshalle bereitgelegten Taschentüchern für den Fall der Fälle. Beim Herbstempfang der Stadt Einbeck wurde Dr. Sabine Michalek nach fast 14 Jahren als Bürgermeisterin verabschiedet – und von den Rednern als eine Frau mit Haltung und Herz beschrieben sowie mit minutenlangem Applaus im Stehen wertgeschätzt. Am Ende des Abends reichte die 59-Jährige die Bürgermeisterkette an ihren Nachfolger René Kopka (49) weiter, der zum 1. November das Amt übernimmt. Ein Symbol, das gut dazu passte, als Michalek dann auch noch mit ihren Söhnen Lorenz und Kilian im Streichertrio zum Finale aufspielen durfte. Nicht allein dafür wird sie künftig wieder mehr Zeit haben, ebenso für ihren Garten, die Familie und für Bergwanderungen. „Es war mir eine große Ehre, Bürgermeisterin von Einbeck gewesen zu sein“, sagte Sabine Michalek – und wünschte ihrem Nachfolger Mut und Kraft für die vor ihm liegenden Aufgaben.

Stehende Ovationen für die scheidende Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek in der Multifunktionshalle. Im Hintergrund das Kammerorchester, in dem Michalek seit 25 Jahren die Geige spielt. Foto: Frank Bertram

„Ich gehe jetzt von Bord und überlasse meinem Nachfolger das Steuer“, sagte Dr. Sabine Michalek zum Abschied – die Schwimmwesten solle die Politik aber anbehalten, riet sie. Beim Rückblick auf die Zusammenarbeit mit der Politik erinnerte die Bürgermeisterin an Wellengang in manchen Sitzungen, herausgegebene Sturmwarnungen und manchmal habe auch Windstärke 12 geherrscht, es habe Momente gegeben, da habe sie gedacht, das Stadtrat-Schiff zum Kentern zu bringen. „Zu 80 Prozent war es aber ruhiger Ententeich, wir hatten immer den gleichen Kurs.“ Den Ratsmitgliedern gab sie mit auf den Weg, den Kompromiss wieder mehr wertzuschätzen. Michalek dankte unter anderem der Verwaltung, mit der sie versucht habe (Akten-)Berge zu versetzen. „Mit ihrer uneingeschränkten Loyalität und der großen Kompetenz haben sie mich davor bewahrt, von so mancher Klippe zu fallen“, sagte die scheidende Rathauschefin.

„Wir stehen vor großen Herausforderungen, wir sehen unsere freiheitlich demokratische Grundordnung nicht nur durch die geopolitischen Spannungen und kriegerischen Ereignisse bedroht“, sagte sie. „Auch die Spannungen in unserer Gesellschaft sind so groß wie lange nicht mehr, Unzufriedenheit, Unsicherheit, Hass und Neid sowie Empathielosigkeit sind leider auf dem Vormarsch.“ Ihr sei es als Bürgermeisterin immer wichtig gewesen, in persönlichen Gesprächen mit den Menschen zu sein. Es sei wichtig, aus den „Blasen“ herauszukommen, den weiten Blick zu behalten. Dafür brauche es Gelegenheiten und Räume für Begegnungen und Gespräche, um gemeinschaftlich an Dingen zu arbeiten, die für die Gemeinschaft wichtig seien. Das könnten Dorfplätze und Gemeinschaftshäuser, Museum oder Bibliothek sein. Am Ende ihrer Amtszeit äußerte Dr. Sabine Michalek einige Wünsche für die Zukunft. „Ich wünsche mir eine Gesprächskultur und Gesprächsatmosphäre, in der wir uns freimütig mitteilen und unserem Gegenüber wohlwollend zuhören“, sagte die 59-Jährige. Es brauche Gespräche, in denen man sich für die Standpunkte des Gegenübers wirklich interessiere und die eigenen Überlegungen anbiete. „Ich wünsche mir, dass uns im alltäglichen Umgang Werte wichtig bleiben, wie Verständnis, Toleranz und Offenheit. Wir dürfen nicht aufhören, uns umeinander zu kümmern, auch wenn wir unterschiedliche Positionen vertreten.“ Sie appellierte, die Würde des anderen in den eigenen Worten zu achten, gerade in Zeiten, in denen der Ton rauer, aggressiver und auch verletzender werde. Empathie sei keine Schwäche, sondern eine Stärke.

Ihr habe das Bürgermeisteramt viel abverlangt, aber auch sehr viel gegeben. „Ich habe mich in den fast 14 Jahren auch verändert, ich fühle mich gereift.“ Sie habe viel lernen dürfen. Michalek dankte ihren Eltern für das stabile Wertegerüst, das sie mitbekommen habe, und ihrer Familie, Ehemann Wolfgang, den Söhnen Kilian und Lorenz. „Ihr seid mein Halt, meine Sicherheit.“ Nach zwei Amtszeiten gebe sie voller Zuversicht in die Demokratie ihr Amt weiter. Sie schlage jetzt ein neues Kapitel in ihrem Leben auf, habe mehr Zeit für Freunde und Hobbys.

Absolutes Vertrauensverhältnis: Dr. Sabine Michalek und ihr Rathaus-Vize, Dr. Florian Schröder. Zum Abschied gab’s eine „Setkarte“, mit der sich Michalek anderswo bewerben könnte. Foto: Frank Bertram

Einer von insgesamt neun Verabschiedungsrednern war Michaleks Allgemeiner Vertreter im Rathaus, Dr. Florian Schröder, der nahezu die gesamte Amtszeit der Rathaus-Vize der Bürgermeisterin war. „Es war mir immer ein Vergnügen.“ Schröder dankte für das absolute Vertrauensverhältnis in der gesamten Zeit. Ein Freund habe mal gesagt, zwischen die Bürgermeisterin und ihm passe kein Blatt Papier. Auch wenn das nicht immer gestimmt habe, hätten sie es so verkauft, das scheine gewirkt zu haben, sagte Schröder. Er habe unter drei verschiedenen Bürgermeistern arbeiten dürfe, unter Stephan Weil und unter Olaf Scholz. „Mit Dir war es am Nettesten.“ In der Zukunft appellierte er an Michaleks Ehemann Wolfgang, er brauche nur das Codewort „Tatendrang“ zu übermitteln, wenn er mal Unterstützung für seine aktive Ehefrau benötige. Man habe immer kleine Aufgaben und Termine, scherzte Dr. Florian Schröder. „Wir kriegen sie für ein paar Stunden betreut.“ Michalek stehe dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung, er vermittle gerne und pries einige Alleinstellungsmerkmale: Völlige Unermüdlichkeit und ein schallendes Lachen beispielsweise. Im Namen aller 430 Beschäftigen dankte Schröder Michalek: „Es war uns allen eine Ehre und eine Vergnügen.“

Nicole Teuber vom Niedersächsischen Städtetag überbrachte den Dank der kommunalen Familie. Michalek habe sich in einem außergewöhnlichen Maße engagiert, sei in vielen Gremien gewesen, habe mit ihrer Persönlichkeit bereichert. „Wir werden sie wirklich vermissen.“ Sparkassendirektor Stefan Beumer dankte Michalek als Verwaltungsratsvorsitzender für das hohe Vertrauen in den Vorstand: „Ich hoffe, wir haben es nicht enttäuscht.“ Für die Blaulichtfamilie sprach Polizeiinspektion-Leiterin Maren Jäschke und erinnerte an so manche Einsätze und Ereignisse, die Brandserie 2020 beispielsweise oder das Sicherheitskonzept für das Eulenfest, für das sich Michalek als Bürgermeisterin bis zuletzt eingesetzt habe. Die scheidende Hauptverwaltungsbeamtin sei ein Mensch mit Haltung und Herz, habe sich wie ein Bollwerk für die Sicherheit in Einbeck eingesetzt, sagte Jäschke. Peter Traupe als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Ilmebahn GmbH bezeichnete Dr. Sabine Michalek als „hochengagierte, strategisch denkende und verlässliche Partnerin an der Spitze“ des kommunalen Verkehrsunternehmens.

Aus der politischen Familie würdigten Petra Bohnsack (BlGfE), Dirk Heitmüller (SPD) und Antje Sölter (CDU) die bisherige Bürgermeisterin. Bohnsack sagte, Kommunalpolitik sei ein Marathon, vielen Sprintern gehe da die Puste aus. Sie habe zehn Jahre als Ortsbürgermeisterin und fünf Jahre als ehrenamtliche Stellvertreterin mit Michalek zusammenarbeiten dürfen und dabei erfahren: „Es gibt selten eine einfache Lösung für komplexe Probleme – auch wenn einige das weißmachen wollen.“ Michalek habe Beleidigungen und Bedrohungen aushalten müssen. Daran erinnerte auch Sölter, die Anfeindungen seien schwer zu ertragen gewesen. Sölter zollte Michalek Respekt, sie habe für die 30.000 Einwohner politisch neutral der Stadt Bestes gesucht. In den letzten Monaten sei die politische Nähe auf eine harte Probe gestellt worden, räumte sie ein, das mache die lange politische Zusammenarbeit mit dem C im gemeinsamen Wertegerüst aber nicht weniger wertvoll. Heitmüller erinnerte an das Jahr 2020. „Das war zwar nicht mein Wahlsieg, aber der Beginn einer politischen Zusammenarbeit.“ Michalek habe zuletzt von der SPD mehr Unterstützung erfahren wie von ihrer CDU. Als Bürgermeisterin habe sie den Takt längst gefunden, als die Politik noch nach dem richtigen Ton gesucht habe.

Das Jugendrotkreuz verlieh Sabine Michalek die höchste Auszeichnung für Nicht-Mitglieder, das Ehrenabzeichen in Bronze. Sie habe das JRK immer wertgeschätzt und dabei dies nicht auf offizielle Grußworte beschränkt, sondern sei mit vielen Jugendlichen gerne ins Gespräch gekommen, sagte Landesleiter Hans-Werner Beckmann. Michalek habe den Jugendlichen das Gefühl gegeben, dass ihr Engagement wichtig sei.

Mit dem Ehrenabzeichen in Bronze hat das Rote Kreuz Dr. Sabine Michalek ausgezeichnet, hier mit DRK-Ortsvereinsvorsitzenden Jan Störmer, JRK-Landesleiter Hans-Werner Beckmann und Josie Schmidt vom JRK Einbeck. Foto: Frank Bertram
Ein Tag wie Gold: Dominik Müller und Ferdinand von Seebach (Piano) begleiteten das Herbstfest musikalisch mit Songs aus dem Chanson-Programm „Lieder, die ich lieb“. Foto: Frank Bertram
Zum Abschluss spielte Sabine Michalek mit ihren Söhnen Lorenz und Kilian im Trio. Foto: Frank Bertram
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