Höchste Zeit für ein Update bei den zwei wohl prominentesten Baustellen in Einbeck, zumal in den vergangenen Tagen wieder nicht wirklich Fortschritt für Außenstehende zu erkennen ist. In ihrem schriftlichen Bericht für die jüngste Ratssitzung gibt Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek einen aktuellen Überblick über den Sachstand. Der Stadtrat hat außerdem für das Alte Rathaus eine überplanmäßige Ausgabe in Höhe von rund 100.000 Euro beschlossen sowie mit der Fortschreibung des Kommunalen integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzeptes (IEK) die Grundlagen gelegt für eine weitere Sanierung des historischen Rathauses am Marktplatz.

Die Arbeiten am neuen Pavillon auf dem Neustädter Kirchplatz laufen laut Bürgermeisterin derzeit planmäßig und sollen im Außenbereich je nach Witterung entweder Ende des Jahres oder Anfang 2026 abgeschlossen sein. Die Glasfassade ist eingebaut, der Pavillon ist damit wetterfest für die weiteren Schritte im Ausbau. Die Ausschreibungen der letzten Gewerke mit Estricharbeiten und Tischlerarbeiten für die Innentüren laufen momentan. Die Betonfertigteile der Fassade sollen je nach Witterung Ende Dezember oder im Januar 2026 angebracht werden. Die Rohinstallationen im Bereich Elektro und Sanitär sind abgeschlossen, Lüftungsleitungen und Trockenbauarbeiten für die abgehängte Decke erfolgen noch nach Abschluss der Rohinstallation der technischen Gewerke, erläuterte die Bürgermeisterin im Stadtrat. Wenn die Arbeiten am Pavillon so planmäßig voranschreiten, soll ab Frühjahr 2026 die Fläche für die Platzbearbeitung zur Verfügung stehen, dann kann also gepflastert werden. Freilich müssen zuvor noch letzte Waschbetonreste abgerissen und letzte archäologische Grabungen durchgeführt werden. Derzeit läuft laut Rathauschefin weiterhin die Abstimmung bei „entstehenden Mehrkosten für die Platzfläche und das Fontänenfeld mit dem Planer und der ausführenden Baufirma“.

Beim Alten Rathaus sind laut Bürgermeisterin im Außenbereich auf dem Hallenplan die Treppenanlage erstellt, das Geländer montiert und das Schachtgerüst für den Fahrstuhl installiert sowie dieses eingehaust. Die Türdurchbrüche in der Außenwand sind hergestellt, so dass das Aufmaß für die Außentüren erfolgen kann. Die Installation der Aufzugstechnik folgt im ersten Quartal 2026. Die Schließung der Treppenöffnung im hinteren, westlichen Bereich der Rathaushalle ist mit Ergänzung des Sandsteinbelages abgeschlossen. Im nächsten Schritt erfolgt hier die Montage einer Schallschutzwand wie bereits an der gegenüberliegenden Giebelwand.
Für die Baumaßnahme „Nutzungs- und Erschließungskonzept Alten Rathaus“, zu dem u.a. der Fahrstuhl gehört, hat der Stadtrat mit großer Mehrheit eine überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 104.000 Euro beschlossen. Sechs Gegenstimmen kamen von der FDP/Kloss-Gruppe, Helmar Breuker (parteilos) sowie der AfD-Fraktion, eine Enthaltung von Petra Bohnsack (BlGfE). Ein Großteil der notwendig werdenden Summe war bereits im aktuellen Haushalt eingeplant, allerdings nicht für das Alte Rathaus, sondern für die (bereits abgeschlossene) Fassadensanierung Geschwister-Scholl-Schule, wo das Geld aber nicht mehr gebraucht wurde. Beim Alten Rathaus jedoch kostete der Spezialtiefbau statt veranschlagten 240.000 Euro am Ende rund 352.000 Euro. Diese Mehrkosten waren bereits aus der vorhandenen Pufferreserve des Projektbudgets und Einsparungen bei weiteren Gewerken genommen worden. Daneben haben bzw. werden sich weitere Kostensteigerungen von circa 71.000 Euro gegenüber den Kostenprognosen bei Ausschreibungsergebnissen ergeben, sagte die Bürgermeisterin. Dazu zählen die Gewerke Metallbau (Außentüren), Stahlbau (Geländer) und Rohbauarbeiten. Bei den Rohbauarbeiten sind das die Kosten für die Durchbrüche ins Alte Rathaus, Entsorgungskosten / Bodenaustausch der Baugrube auf Grund von kontaminiertem Aushub sowie Lohn- und Materialkostensteigerungen und Vorhaltekosten auf Grund von Baustillstand / Bauzeitverzögerung, rechnen die Experten im Rathaus aus. Die Gewerke Brandschutzverglasung Fenster im Obergeschoss, Malerarbeiten in Teilbereichen, Metallbau Besuchersteg im Kellergeschoss sowie kleinere Dachdecker- und Fliesenlegearbeiten stehen noch aus, hier rechnet die Verwaltung mit Kosten in Höhe von rund 41.500 Euro. Insgesamt werden somit noch 112.500 Euro benötigt, es gibt im Budget aber nur noch etwa 14.000 Euro, womit ein Delta von 98.500 Euro bleibt. Um dieses zu decken, soll haushalterisch das nicht benötigte Geld für die Geschwister-Scholl-Schule inklusive eines kleines Puffers verwendet werden.
Er habe gedacht, dass mit dem Nachtragshaushalt vor Jahren alle Mehrkosten „abgefrühstückt“ worden seien, sagte Ratsherr Alexander Kloss (parteilos). Stattdessen gebe es „immer wieder Nachträge“, das Projekt bleibe aus seiner Sicht „völlig unsinnig und überdimensioniert“.
Zuvor hatte der Stadtrat einstimmig grünes Licht für das IEK gegeben. Dieses Konzept inklusive der mit beschlossenen Kosten- und Finanzierungsübersicht und einer Prioritätenliste ist Grundlage unter anderem für weitere Arbeiten am Alten Rathaus, die für eine Programmanmeldung 2026 nachgereicht wurden. Perspektivisch soll bis 2035 im Obergeschoss für eine museale Nutzung eine „Ankerausstellung“ zur Stadtgeschichte und zu wechselnden Themen entstehen, soll die Heizungsanlage erneuert und eine Fußbodenheizung mit einer Wärmepumpe für das 1. Obergeschoss (museale Nutzung) eingebaut werden, soll die Fassade saniert und damit einher gehend Fenster, Fassadenputz und Anstrich sowie veraltete Leitungen im gesamten Alten Rathaus erneuert werden. Rund 12 Millionen Euro stehen im Topf der Städtebauförderung noch zur Verfügung für den genannten Zeitraum.


Hier sieht man wie sich auch erfahrene Journalisten im Förderdschungel an einer sachgerechten Berichterstattung verzetteln. In der IEK Kosten- und Finanzübersicht stehen 12,7 Mio€ Gesamtinvestitionen, die nur mit 12,1 Mio€ im Förderprogramm angesetzt werden können. Davon – trotz kräftigem jonglieren im IEK – nur 7,5 Mio€ bzw. 6,9 Mio€ für das alte Rathaus und das auch nur wenn man diese Beträge final als förderfähige Kosten nachweisen kann. Kostensteigerungen werden im Nachhinein nicht „gefördert“, so dass die regelmäßig kolportierte Förderqoute von 66,7 % (max. 4,6 Mio€ für das alte Rathaus) stark abschmelzen dürfte und der schuldenfinanzierte kommunale Anteil entsprechend steigt. Dafür gibt es dann aber u.a. auch ein weiteres Museum mit hohen Folge- und Zinskosten!
Übrigens dürfte eine Gesamtbetrachtung für den NKP – wenn diese jemals öffentlich wird – noch erschreckender enden.
Sie beziehen sich mit ihrem Kommentar offenbar auf den letzten Satz meines Beitrages, Herr Rybarczyk. Ich bleibe bei meiner Darstellung.