Franz-Cestnik-Platz am 100. Geburtstag offiziell gewidmet

Der Parkplatz an der Ecke Wolperstraße/Judenstraße in Einbeck heißt jetzt offiziell Franz-Cestnik-Platz. Am 100. Geburtstag des vor zehn Jahren verstorbenen Einbecker Malers hat Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek gemeinsam mit mehreren Ratsmitgliedern zum Abschluss der von den Initiatoren des Cestnik-Jahres organisierten Geburtstagsfeier das Platzschild enthüllt und den Parkplatz offiziell nach Franz Cestnik benannt. Die Benennung hatte der Stadtrat im Juni einstimmig beschlossen.

Der Parkplatz heißt jetzt offiziell Franz-Cestnik-Platz, links ist die Cestnik-Open-Air-Galerie zu sehen.

Der Antrag stammte vom parteilosen Ratsherrn Alexander Kloss, der gemeinsam mit der Familie Cestnik und den Initiatoren des Cestnik-Jahres, Patricia und Martin Keil, die Initiative zur Benennung gestartet hatte. Der Franz-Cestnik-Platz liegt in unmittelbarer Nähe zum Geburtshaus des am 3. August 1921 in Einbeck geborenen Künstlers. Seit einem Jahr schmückt ein Wandbild eine markante Backsteinfassade am Rande des Innenstadtparkplatzes, seit gestern gibt es auf dem Parkplatz auch eine Open-Air-Cestnik-Galerie mit mehreren Werken des Malers.

Ursprünglich sah es so aus, als ob die offizielle Widmung des Parkplatzes trotz monatelanger Vorbereitung noch nicht am 100. Geburtstag stattfinden könnte, weil das Platzschild fehlte. Überraschend war es am Nachmittag dann doch – zunächst verhüllt – am Rande der Wolperstraße montiert. Die Plastikhülle rissen dann gemeinsam Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Ratsherr Alexander Kloss ab, die auf einem kleinen Podest bei der Aktion gestützt und unterstützt wurden von den Ratsmitgliedern Eunice Schenitzki (SPD) und Walter Schmalzried (CDU).

Und auch der Parkscheinautomat auf dem nun mehr Franz-Cestnik-Platz heißenden Areal war pünktlich zum Geburtstag umprogrammiert, so dass er nun Parkscheine mit dem neuen Namen ausgibt.

Gemeinsam geschafft: Walter Schmalzried, Eunice Schenitzki, Dr. Sabine Michalek und Alexander Kloss (v.l.) am Franz-Cestnik-Platz-Schild.
Gemeinsam enthüllt haben Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek und Ratsherr Alexander Kloss das Platzschild.
Vorbereitungen am noch verhüllten Platz-Schild.

Kommt das „Knöllchen mit Herz“ doch noch?

Das möchte der parteilose Ratsherr Alexander Kloss dann doch nicht einfach so hinnehmen: Sein im Januar gestellter Antrag „Knöllchen mit Herz“ hatte im jüngsten Fachausschuss für Kultur, Tourismus und Wirtschaftsförderung nicht nur eine Mehrheit gefunden, er war einstimmig beschlossen worden. Durch den Verwaltungsausschuss ein paar Tage später schaffte es der Vorstoß, auswärtigen Falschparkern neben der Verwarnung einen charmanten Beipackzettel hinter die Windschutzscheibe zu heften, dann allerdings nicht, dort fand sich keine politische Mehrheit mehr. Jetzt soll der Antrag noch einmal auf die Tagesordnung kommen.

„Ich bin nicht bereit, einen in einem öffentlichen Fachausschuss einstimmig, das heißt von allen Fraktionen, mitgetragenen Beschluss anschließend in einem vertraulich tagenden Gremium von einem kleinen Teil der Ratsmitglieder konterkarieren zu lassen“, erklärte Alexander Kloss. „Demokratie funktioniert anders, und nach diversen Gesprächen gehe ich davon aus, dass der Antrag dieses Mal auch den Verwaltungsausschuss mit einem zustimmenden Beschluss passieren wird.“ Kloss hat beantragt, das Thema in der Sondersitzung des Stadtrates am 11. August, bei der es vorrangig um die Strabs-Abschaffung gehen wird, auf die Tagesordnung zu setzen.

Der parteilose Ratsherr hatte nach der VA-Schlappe mit verschiedenen Fraktionen noch einmal das Gespräch gesucht, wie er berichtet. Dabei habe sich herausgestellt, dass einige irrig davon ausgegangen waren, dass es keine Verwarnungen geben solle, sondern nur einen Hinweiszettel, dass falsch geparkt worden sei. Das, so Kloss, sei jedoch zu keiner Zeit Inhalt seines Antrages gewesen. Dieser heiße nicht zuletzt auch deshalb „Knöllchen mit Herz“, weil eben zusätzlich zum kostenpflichtigen Knöllchen ein herzlicher Hinweiszettel beigegeben und eine Willkommenskultur für auswärtige Besucher gepflegt werden solle. Mit seinem neuerlichen Vorstoß möchte Kloss nicht nur ein sinnvolles Projekt vollenden, sondern auch umfangreiche gute Vorarbeit der Verwaltung würdigen, wie er sagte.

Nachtrag 12.08.2021: Der Stadtrat hat in seiner Sondersitzung am Mittwoch den erneuten Antrag wieder in den Fachausschuss für Kultur, Tourismus und Wirtschaftsförderung überwiesen, damit er nochmals die Gremienrunde dreht. Die Überweisung erfolgte gegen die Stimmen der SPD-Ratsfraktion. Zuvor hatte sich Ratsherr Alexander Kloss in seinem Redebeitrag noch gespannt gezeigt, „wie sich die Verhinderer verhalten“. Bereits bei Beginn der Sitzung hatte Ratsvorsitzender Frank Doods (SPD) für Irritationen gesorgt, als er zwar nicht die Tagesordnung bemängelte und auch keine Themen oder Namen nannte, aber diplomatisch darauf hinwies, dass es ja üblich sei, dass die Tagesordnung für eine Ratssitzung von der Verwaltung im Benehmen mit dem Ratsvorsitzenden erstellt würde, diesmal sei seine Rückmeldung gar nicht abgewartet und die Tagesordnung kurze Zeit später direkt an die Ratsmitglieder verschickt und veröffentlicht worden. Doods dürfte den erneuten Kloss-Antrag gemeint haben.

Facebook-Eintrag von Ratsherr Alexander Kloss nach der Ratssitzung mit seinem Redebeitrag im Wortlaut.

Von der Ehre eines Straßennamens

Der Mahlerweg auf der Kühner Höhe bleibt der Mahlerweg. Eine Umbenennung ist vom Tisch. An dem Weg wird zwar auch in Zukunft niemand wohnen. Nach dem Einbecker Maler Franz Cestnik (1921-2011) soll aber stattdessen jetzt ein Parkplatz in der Innenstadt benannt werden, der nur wenige Schritte vom Geburtshaus des Künstlers entfernt liegt, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Nach Rücksprache mit der Familie hat Ratsherr Alexander Kloss (parteilos) seinen Antrag noch einmal verändert, der jetzt im Kulturausschuss zur Entscheidung steht (Dienstag, 16. März, 17 Uhr, Online-Sitzung, Zugangsdaten unter stadtverwaltung@einbeck.de).

Parkplatz an der Ecke Wolperstraße/Judenstraße, der zum Franz-Cestnik-Platz gewidmet werden soll.

Auch die Änderung des Mahlerwegs in Cestnikweg hätte Charme gehabt. Unterstützer der neuen Variante mit dem Parkplatz können nun jedoch ins Feld führen, dass hier nicht nur die Nähe zum Geburtshaus in der Wolperstraße 25 und zum großen Wandbild „Cestnik kennt jeder“ gegeben ist, das im vergangenen Sommer eingeweiht worden ist. Wenn die Stadt ihren Parkscheinautomaten umprogrammiert und auch Navigationssysteme soweit geändert und sogar Google die Veränderung registriert hat, ist künftig eine zielgenaue Navigation zum Franz-Cestnik-Platz möglich, und dieser Name steht dann auch auf den Parkscheinen, freilich auch auf Knöllchen.

Bislang liegt dieser Parkplatz (auch auf Parkscheinen und Strafzetteln) hinter dem großen Wohnkomplex Lange Brücke 9-11 an der Judenstraße, welche die Wolperstraße und Lange Brücke verbindet. Dieser erst vor mehr als 30 Jahren wiederhergestellte, historische Straßenname, der einst hart von der früheren SPD-Ratsfrau Irmela Kirleis erkämpft worden war, steht nicht zur Disposition, die wenigen Anlieger müssen keine Veränderung fürchten. Das wäre auch kein gutes Zeichen, die Judenstraße abzuschaffen.

Ein gutes Zeichen wäre es, die Taufe der bislang namenlosen Parkfläche noch bis zum 100. Geburtstag des Einbecker Malers zu realisieren. Das müsste bei gutem Willen machbar sein, dürfte auch der formelle Beschluss erst in der Ratssitzung am 23. Juni getroffen werden. Wichtige Vorbereitungen könnten nach einem deutlichen (einstimmigen) Signal aus dem Kulturausschuss sofort beginnen.   

Aber es geht nicht allein um einen Franz-Cestnik-Platz. Der ursprüngliche Antrag von Ratsherr Alexander Kloss geht deutlich weiter, möchte er doch eine Namensliste mit Einbecker Persönlichkeiten erstellen, nach denen neue Straße künftig benannt werden können. Und wer die Unterlagen für die Kulturausschusssitzung sorgfältig liest, entdeckt einen Hinweis, dass sich die Stadtverwaltung damit nicht zufrieden geben will.

Ich begrüße ausdrücklich die Ankündigung aus der Verwaltung, einmal alle vorhandenen Straßennamen auf ihre Entstehung zu überprüfen. Schon vor einiger Zeit habe ich mir so etwas gewünscht, auch nochmals im Zusammenhang mit dem Ehrenmal am Kirschenberg im vergangenen Jahr. Vielleicht waren einige schon zu matt und müde geworden, um eine solche Debatte noch anzustoßen. Und mit dem neu gewählten Stadtrat im Herbst kommt dann vielleicht zusätzlich ein bisschen frischerer Wind auf für dieses Thema. Klar ist: Einfach wird eine Diskussion über Straßennamen nicht. Es wird Widerstände geben. Je mehr mächtige Menschen in von einer möglichen Umbenennung betroffenen Straßen wohnen, desto ungemütlicher könnte die Diskussion werden. Muss sie natürlich nicht. Vielleicht wird sie von Anwohnern sogar inhaltlich bereichert.

Schnell wird in der Öffentlichkeit nun das Argument auftauchen: Gibt es aktuell nichts Wichtigeres als Straßennamen? Doch, es gibt viele wichtige Themen in dieser Stadt. Aber Kommunalpolitik besteht nun mal nicht nur aus Feuerwehr, Kita, Schule und Straßenbau. Es muss auch möglich sein, über Themen zu sprechen, die über den Tag hinaus gehen. Ansonsten kann sich der Kulturausschuss gleich komplett abschaffen.

In Mode sind nach Persönlichkeiten benannte Straßen übrigens erst seit dem 19. Jahrhundert. In dieser Zeit wuchsen die Städte über ihre Mauern hinaus, neue Wohngebiete und Chausseen wurden angelegt, auch in Einbeck. Bis dahin hießen die Wege und Plätze nach Gemarkungen, nach ihrer Funktion oder nach Pflanzen oder Tieren. Die Ehre, einer Person eine Straße zu widmen, gibt es erst seit gut 150 Jahren. Die Motivationen waren dabei durchaus unterschiedlich.

Es wird über einige Namen zu sprechen sein. Ich nenne nur mal beispielhaft ein paar Persönlichkeiten, nach denen in Einbeck und in seinen Ortschaften Wege und Straßen benannt sind. Welche mal mehr oder mal weniger auch zweifelhafte Episoden in ihrem Leben hatten, die aus heutiger Sicht kritikwürdig sein können oder müssen. Dr. Kurt Heinrichs, Paul von Hindenburg, Fritz Mackensen, Carl Diem, Agnes Miegel, Hermann Löns, Heinrich Sohnrey  – bei all diesen Beispielen werden sich Schriften, Äußerungen oder Taten finden lassen, die aus dem Blickwinkel von heute nicht mehr zu einer Straßenbenennung führen würden. Ein Blick in die Wikipedia-Enzylopädie (bei aller Vorsicht) hilft hier auf die Schnelle bereits weiter.

Aber es wäre mir viel zu billig, nun in Bilderstürmerei zu verfallen und einfallslos das Abnehmen der Straßenschilder zu verlangen. Niemand würde auf den Gedanken kommen, Martin Luther von Straßen- oder Platznamen zu verbannen. Obwohl Luther heftig antisemitische Schriften verfasst hat, aber eben nicht nur. Sondern er war vor allem ein Reformator, der die Welt aus ihren damaligen Angeln hob.

Jeder Weg und jede Straße wurden zu bestimmten Zeiten benannt, diesen zeithistorischen Zusammenhang muss man in der Diskussion unbedingt berücksichtigen. Und vor Ort vielleicht vielfach nur durch ergänzende Informationen der Umstände erläutern. Die für 2022 von der Stadtverwaltung angekündigte Übersicht wird das wahrscheinlich gut deutlich machen. Der Carl-Diem-Weg beispielsweise wurde angelegt, weil sich die Sportanlagen in der Nähe befinden und der Weg den Sportfunktionär ehren soll. Dass Diem im Nationalsozialismus flammende Reden und Durchhalteparolen ausgab, gehört auch zu seinem Leben. Die Agnes-Miegel-Straße ist nur in einer Reihe zu sehen mit den benachbarten Dichter-Straßen, benannt nach Klopstock, Hölderlin und Uhland. Dass Agnes Miegel treueste Gefolgschaft für Hitler gelobte, gehört aber eben auch zum Leben der Schriftstellerin aus Ostpreußen. Die Dr.-Heinrichs-Straße in Andershausen ist nach dem Einbecker Landrat der Nazizeit benannt, weil er sich für die Straße nach Andershausen eingesetzt hat, die 1935 vom Reichsarbeitsdienst gebaut wurde.

Über Hindenburg hat der Zeithistoriker Hans-Ulrich Thamer einen bemerkenswerten Aufsatz geschrieben (hier im Orignal zu lesen). Der Professor aus Münster, bei dem ich selbst noch studieren durfte, äußert sich auf acht lesenswerten Seiten zur Debatte in Münster und die Benennung (und letztliche Umbenennung) des großen Hindenburgplatzes vor dem Schloss. Dabei muss man wissen, dass der Aufsatz, der auch im benachbarten Northeim jüngst gerne in der Diskussion über deren Hindenburgstraße zitiert wurde, inzwischen zehn Jahre alt ist. Und vor allem ist Thamers Aufsatz kein eindeutiger Kronzeuge – und zwar weder für eine Umbenennung noch für eine Beibehaltung des Hindenburg-Straßennamens. Leider haben Kommunalpolitiker in Northeim immer nur die Passage zitiert, die ihnen politisch in den Kram passte. Hans-Ulrich Thamer spricht sich gerade nicht für oder gegen Umbenennungen aus. Sein Schlusssatz lautet: „Bei beiden Varianten bestünde die Chance, aus der Geschichte von Straßennamen so etwas wie ein begehbares Geschichtsbuch zu machen, wohlwissend, dass Geschichtsbewusstsein immer auch zeitgebunden und ambivalent ist.“

Nachtrag 17.03.2021: Der Kulturausschuss hat nach kurzer Aussprache einstimmig empfohlen, den öffentlichen Parkplatz in der Judenstraße in der Kernstadt als Franz-Cestnik-Platz mit Blick auf das laufende Cestnik-Jahr schnellstmöglich zu benennen. Bei der Vergabe neuer Straßennamen sollen Einbecker Persönlichkeiten künftig stärker berücksichtigt werden, die Verwaltung ist beauftragt, bis 12/2021 einen Katalog mit potenziellen Namensgebern zu erstellen. Zudem sollen laut der Beschlussempfehlung des Kulturausschusses bereits existierende Straßennamen in Kernstadt und Ortschaften historisch-kritisch anhand eines Kriterienkatalogs geprüft werden; dazu soll es im Laufe des Jahres 2022 einen Ergebnisbericht geben. Abschließend muss über diese Ausschussempfehlung nun noch der Stadtrat entscheiden. René Kopka und Joachim Dörge als Vertreter von SPD und CDU hatten vor dem Beschluss Rückenwind für den Antrag signalisiert. Antragsteller Alexander Kloss (parteilos) freute sich über das einstimmige politische Signal. Die Vorschlagsliste mit Namen könne „eine fundierte Grundlage sein, aus der wir schöpfen können“, und er sei gespannt, welche Namen dort auftauchen werden. Von der historisch-kritischen Überprüfung erhofft sich Alexander Kloss für den künftigen Stadtrat „eine fundierte Handlungsempfehlung“, wie beispielsweise Possen wie in Northeim vermieden „und gleichzeitig historisch bedenkliche Namen aus unserem Straßenregister verbannt werden können“, sagte Kloss.

Ratsherr Harenkamp wünscht sich Kulturförderfonds

Eine gleichberechtigte Förderung der Kultur in Einbeck in Zeiten der Corona-Pandemie mit Hilfe eines Förderfonds der Stadt Einbeck wünscht sich der parteilose Ratsherr Udo Harenkamp (Opperhausen). Einen entsprechenden Antrag hat der ehemalige AfD-Mann, der aus der Partei inzwischen ausgeschieden ist, für die nächste Sitzung des Finanzausschusses gestellt. In der geht es um den Haushalt 2021 der Stadt Einbeck. Harenkamps Ziel ist nach eigener Aussage, die einseitige Förderung des Trägervereins der Mendelssohn-Musikschule (MMS) zu beenden.

Die Förderung war bereits in der jüngsten Kulturausschuss-Sitzung in die Kritik geraten und von der SPD in Frage gestellt worden. Seitdem ist die Debatte um die städtische Unterstützung der einst städtischen Musikschule in der ehemaligen Stukenbrok-Villa wieder öffentlich in mehreren Wortmeldungen aufgeflammt. Jetzt rächt sich, dass die bereits vor Jahren geführte Diskussion über eine potenzielle Ungleichbehandlung verschiedener Einbecker Musikschulen nicht zu einem Ergebnis gebracht wurde, sondern eher irgendwann im Sande verlief. Öffentlich jedenfalls. Erst durch die intensive Nachfrage von Dirk Heitmüller (SPD) im Kulturausschuss war bekannt geworden, dass die Mendelssohn-Musikschule zusätzliche 40.000 Euro Fördermittel erhalten soll – und dass dieses Geld auf kurzem Dienstweg in den Etatentwurf gelangt war. Die Stadt Einbeck ist Mitglied im Trägerverein der Schule und sitzt mit im dortigen Vorstand. Im Kulturausschuss konnte die SPD sich damit noch nicht durchsetzen, das Geld zu streichen. Ob dies im Finanzausschuss weiter so bleibt, ist allerdings offen.

Ratsherr Udo Harenkamp kritisiert die Sonderrolle der Mendelssohn-Musikschule, „während weitere Kulturschaffende in Zeiten des Lockdown mit dem Rücken an der Wand stehen und existenzielle Not leiden“, wie er in seinem Antrag für den Finanzausschuss schreibt. Die Stadt Einbeck soll deshalb zur kulturellen Förderung einen Fonds einrichten, der kulturelle Vereine, Stiftungen und private Kulturschaffende durch Antrag gleichberechtigt mit Mitteln aus dem Haushalt unterstützt, lautet sein Vorschlag. Die Fördersumme im Kulturförderfonds soll nach Harenkamps Idee 100.000 Euro nicht übersteigen.

Die einseitige Förderung sei eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber weiteren Musikschulen und Kulturschaffenden, meint Harenkamp. Gerade in der Zeit des Corona-Lockdown sei es umso wichtiger, alle Kulturschaffenden in Einbeck gleichberechtigt zu unterstützen. „Wenn in der schwierigen Zeit, die alle Betroffenen jetzt durchleben, nicht durch Fördermaßnahmen die Unterstützung des kulturellen Lebens erfolgt, ist es absehbar, dass die Kultur in der Stadt Einbeck Schaden nimmt“, schreibt Ratsherr Harenkamp.

Der Trägerverein der Mendelssohn-Musikschule (MMS) habe es nicht geschafft, durch Mitgliedsbeiträge und Stundensätze die eigenen Kosten deckend zu gestalten, kritisiert Harenkamp. Bis vor wenigen Jahren habe die Stadt Einbeck die Musikschule mit einem Betrag von 70.000 Euro pro Jahr unterstützt. Während der Schule die Räumlichkeiten der ehemaligen Stukenbrok-Villa nebst Nebenkosten kostenfrei zur Verfügung gestellt würden, müssten andere Kulturschaffende für städtische Räumlichkeiten Mietbeiträge zahlen und erhielten keine solche Förderung. Als die Stadt die Trägerschaft der MMS an den privaten Trägerverein abgegeben habe, sei vereinbart worden, dass dieser für die darauffolgenden zehn Jahre noch eine jährliche Förderung von 70.000 Euro erhalte – zusätzlich zur kostenlosen Nutzung des Gebäudes, Pflege der Außenanlagen, Nebenkostenbezuschussung und Instrumentennutzung. Die MMS habe es in den vergangenen Jahren offenbar nicht geschafft, auf eigenen Beinen zu stehen, kritisiert Ratsherr Harenkamp.

Der Wegweiser zur Mendelssohn-Musikschule in der ehemaligen Stukenbrok-Villa am Ostertor trägt noch das Stadtwappen.

Nachtrag 17.02.2021: Der vorgeschlagene Kulturförderfonds wurde mehrheitlich im Finanzausschuss abgelehnt. Ein solcher Fonds würde den Streit ums Geld nur auf eine andere Ebene verlagern, meinte Dr. Reinhard Binder (FDP). Auch der SPD wären konkrete Anträge lieber statt Geld für einen Förderfonds, sagte Rolf Hojnatzki (SPD). Der 40.000-Euro-Antrag der Mendelssohn-Musikschule fand keinen Eingang in den Haushalt, dort sind nun nur 20.000 Euro einkalkuliert. Und auch diese Summe wurde von Vertretern mehrerer Fraktionen kritisch gesehen. Sie sei eher eine „symbolische Hilfe“ (Albert Eggers, CDU). Leider habe es die Mendelssohn-Musikschule immer noch nicht geschafft, wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen, ergänzte Karsten Armbrecht (CDU). Wie der 40.000-Euro-Zuschuss-Antrag im Haushaltsentwurf zustande gekommen ist, thematisierte mit einigen Andeutungen Rolf Hojnatzki (SPD). Er könne ja den Bedarf für die MMS verstehen, aber warum der nachgereichte Antrag ein anderes, früheres Datum trage, das sei schon „sehr merkwürdig“. Und dass der Zuschuss direkt im Etatentwurf stand, folge wohl dem Grundsatz der Verwaltung, nach Ende des Zukunftsvertrages alle Schleusen zu öffnen für freiwillige Leistungen.

Virtuelle Sitzungen bleiben ein Lernprozess

Die seit vergangener Woche laufenden Online/Hybrid-Sitzungen der Fachausschüsse des Stadtrates bedeuten geduldiges gemeinsames Lernen – das habe ich in diesem Blog schon geschrieben. Der drei Stunden dauernde Kulturausschuss am Dienstag jedoch hat deutlich gezeigt, dass die einen kaum noch, andere aber dafür offenbar viel mehr lernen müssen.

Und es braucht mehr als ein Merkblatt, das die Verwaltung an die Sitzungsteilnehmer versendet. Mir bleibt unverständlich, warum es keinen grundsätzlichen Technik-Check durch die Verwaltung bei den Ratsmitgliedern zuvor gegeben hat, wie mir Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek auf Anfrage bestätigt hat. Zeit dafür war genug. Es habe und gebe aber das Angebot der IT-Abteilung, zu unterstützen. Das müssten die Ratsmitglieder dann aber auch annehmen, sagte die Rathauschefin. Einige Ausschussmitglieder hätten vorab ihre Übertragungstechnik ausprobiert, um sie gegebenenfalls zu optimieren.

So bleibt der Eindruck, dass viele mit ihrer Technik kämpfen und sich oftmals gar keiner Schuld bewusst sind, welchen Eindruck sie hinterlassen. Die Technik ist bei den einen ausreichend bis gut, bei anderen schlicht ungenügend: Da wackeln Kameras, schwanken Handys, da ist die Beleuchtung oftmals unter- oder überbelichtet. Manchmal funktioniert das Mikrofon nicht nur einmal nicht (was durchaus normal wäre), sondern öfter. Das ist besonders bei Abstimmungen lästig. Die Online-Sitzungen offenbaren auch gnadenlos, wie schnell die Datenleitungen in den Arbeitszimmern der Teilnehmer sind und wie weit die Digitalisierung in einigen Ortschaften angekommen ist – oder auch nicht.

Erste Erfahrungen haben gezeigt, dass das Merkblatt von einigen schnell zur Seite gelegt worden ist. Da werden viel zu kleine Zettel/Schilder, oftmals kaum leserlich handschriftlich, in die Kamera gehalten. Manchmal so kurz, dass auch der beste Sitzungsleiter das nicht im Überblick erkennen kann. Für den Überblick bei Videokonferenzen (für Wortmeldungen) braucht es ein paar Augenblicke (und größere Schilder, die man nicht sofort wieder wegziehen sollte). Diese Ruhe sollte man sich selbst und auch den anderen gönnen. Vielleicht wäre es auch besser gewesen, alle mit einheitlichen Schildern zu versehen; das könnte man noch nachholen.

Außerdem gilt es, die Latenz zu berücksichtigen. Die bei Videokonferenzen übliche Verzögerung macht es notwendig, ein paar Sekunden gelassen zu bleiben bis jemand spricht: Es dauert ein wenig, bis Mikros an und sendefähig sind.  

Deutlich wurde am Dienstag auch: Es braucht eine noch straffere, organisiertere Sitzungsleitung als bei analogen Sitzungen, damit es nicht zerfasert und aus dem Ruder läuft. Andere Ausschüsse konnten durchs ins Bild haltende Ja- oder Nein-Schilder Abstimmungen realisieren, im Kulturausschuss mussten nach Intervention der Verwaltung und der Bürgermeisterin letztlich die Mitglieder einzeln aufgerufen werden, weil die Abstimmungslage unklar war. Bei dreistündigen Sitzungen würde ich mir für den Raum 107 jedenfalls eine Lüftungspause wünschen, wenn dort schon mehrere Ausschussmitglieder gleichzeitig sitzen wollen – zwar mit Abstand, aber ohne Masken. Das Lüften sei in die Verantwortung der Beteiligten gestellt, antwortete mir die Bürgermeisterin.

„Wissensquartier“ auf der Kippe?

Die SPD ist mit ihrem Vorstoß, das Millionen-Projekt „Wissensquartier“ aus dem Haushalt zu kippen, im Kulturausschuss nur knapp gescheitert. Vor einigen Tagen hatte auch bereits die FDP die nächsten Bauabschnitte zur Vereinigung von Museum, Bibliothek und Archiv an einem Standort in Frage gestellt, die Stadt könne sich das aktuell in der Corona-Wirtschaftskrise nicht leisten, hieß es zur Begründung. Die FDP hat keinen Sitz im Kulturausschuss. Ob es nun im Finanzausschuss und abschließend im Stadtrat eine Mehrheit für die weitere Planung gibt, bleibt zunächst offen. Zumal der SPD-Antrag nur knapp durch ein 4:4-Patt scheiterte und die SPD bei dieser Abstimmung durch eine Panne noch nicht – wie bei den folgenden anderen Abstimmungen – ihr aus der Videokonferenz gegangenes Ausschussmitglied Dennie Klose durch SPD-Fraktionschef Rolf Hojnatzki ersetzt hatte.

„Wissensquartier“: Wie soll diese Lücke soll gefüllt werden (Modell). Symbolbild

Für die Sozialdemokraten hatte Dirk Heitmüller im Ausschuss für Kultur, Tourismus und Wirtschaftsförderung den Antrag seiner Fraktion begründet, den zweiten und dritten Bauabschnitt des „Wissensquartiers“ mit geplanten Kosten von rund 19 Millionen Euro aus dem Haushalt und der mittelfristigen Finanzplanung zu nehmen. Seine Fraktion habe bei diesen hohen Ausgaben in der aktuellen Lage Bauchschmerzen. „Wir können es uns einfach nicht leisten“, sagte Heitmüller. Wenn der Geldbeutel leer sei, könne man ja in einem Autohaus auch nicht den teuersten Porsche kaufen. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, die der Stadt noch zur Verfügung stehenden Finanzmittel lieber in den Brandschutz und die Feuerwehr sowie die Schulen zu stecken. Das „Wissensquartier“ sei ein Traum, die Konzeption durchaus gut, und Träume dürfe man haben. So bitter es auch sei: „Lasst uns diesen Traum beerdigen“, sagte Heitmüller.

Dagegen wehrte sich Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek vehement, unterstützt vor allem durch mehrere Mitarbeiter ihrer Verwaltung. Sich von dem „Wissensquartier“ jetzt zu verabschieden bedeute, jahrelange Vorbereitungsarbeit zunichte zu machen, auch die Ergebnisse eines Architektenwettbewerbs. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem noch gar nicht klar sei, ob es nicht vielleicht doch eine umfangreiche Förderung gebe. „Das wäre ein Hundertmeterlauf, den wir nach 70 Metern beenden“, sagte Michalek. Sie bat darum, das „Projekt mit Strahlkraft für Jahrzehnte für die Einbecker“ im Haushalt zu belassen. „Wir sollten durch Corona nicht zu kurzfristig denken.“ Das „Wissensquartier“ blockiere auch nicht andere notwendige Ausgaben, die Stadt investiere in Feuerwehren und Schulen, verwahrte sich die Bürgermeisterin.

Yvonne Bädermann, Fördermittel-Expertin im Rathaus, erläuterte, dass erst wahrscheinlich im April bekannt sei, ob die Stadt Einbeck eine 9,5-Millionen-Euro-Förderung erhalten könnte. „Das wären Gelder, die wir liegen lassen würden“, sagte sie zu einem Ausstieg jetzt. Nachdem der Bauausschuss erst im Oktober per Eilentscheidung den Auftrag gegeben habe, Förderanträge zu stellen, würde sie ungerne nun diese schon wieder zurück ziehen, damit mache sich die Stadt auch unglaubwürdig gegenüber Fördermittelgebern. Zweiter und dritter Bauabschnitt hängen voneinander ab, sie sind jeder für sich nicht förderfähig und auch baulich nicht modular, sondern nur so wie geplant umsetzbar.

Auch Kämmerer Christian Rohner war von der beantragten Streichung aus dem Haushalt „ein bisschen überrascht“, wie er sagte. Er bat darum, doch vielleicht lieber jetzt Prüfaufträge an die Verwaltung zu geben und noch einmal nachzudenken, aber nicht gleich zu streichen. „Wir könnten viele Probleme auf Jahre lösen“, warb Finanz-Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder für das Projekt; seit Jahresbeginn ist er auch für das Stadtarchiv zuständig. Das „Wissensquartier“ sei viel mehr als die Summe seiner Einzelteile, die Stadt erhalte mit diesem Zukunftsprojekt am Ende mehr als sie Geld zahle. Die städtische (Kredit-)Finanzierung sei zudem aktuell eine gut zu stemmende Aufgabe. Der neue Museumsleiter Marco Heckhoff nannte das „Wissensquartier“ ein innovatives Projekt, das einen neuen Ort für die Einbecker schaffen könne. Die Synergien, die Museum, Bibliothek und Archiv durch gemeinsame Nutzung von Räumen gewinnen würden, seien nicht zu verachten.

Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) bekannte, auch Bauchschmerzen bei dem zweifelsfrei guten „Wissensquartier“ zu haben, weil aktuell die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie noch unbekannt seien. Man solle das Projekt aber deshalb nicht komplett streichen.

Auch Alexander Kloss (parteilos) warnte davor, das „Wissensquartier“ schnell mit einem Federstrich aus dem Etat zu streichen. Es könne eine Perspektive für die Kultur in Einbeck sein, noch zu wenige wüssten um die Verzahnungen des Projekts, bedauerte er.

Außer um das „Wissensquartier“ ging es im Kulturausschuss bei den Haushaltsberatungen um zwei andere Positionen. Zum einen scheiterte die SPD durch ein weiteres Patt mit ihrem Antrag, die Erhöhung des Budgets für die Mendelssohn-Musikschule (MMS) um 40.000 Euro wieder aus dem Etat zu nehmen und erst in einem Nachtragshaushalt zu verankern, sobald ein ordentlicher Antrag der Schule gestellt wurde. Dirk Heitmüller (SPD) fragte sich und die Musikschule, warum der Zuschuss für die MMS aufgestockt worden und woher die Initiative dazu gekommen sei. Der hinzu geschaltete Vorsitzende des Trägervereins, Stefan Neumann, nutzte seine Antwort zu einem Sachstandsbericht der Schule in der Pandemie und erklärte die erhöhte Zuschuss-Summe mit den Gehältern für eine Dreiviertel-Schulleiterstelle und einer halben Verwaltungsleiter-Stelle. Die Aufstockung sei in den Haushalt gelangt, klärte Fachbereichsleiter Arnd Severidt auf, weil die Stadt Mitglied im MMS-Verein sei und in der dortigen Vorstandssitzung diese Summe formuliert und dann wohl gleich direkt in den Haushaltsentwurf eingepflegt worden sei. Dirk Heitmüller warnte auch davor, eine in der vergangenen Woche vom Verein Stadtpartie offiziell beantragte 50-Prozent-Stelle für das Festival abzusegnen. „Wir würden ein riesen Fass aufmachen, weil dann alle Vereine rufen würden.“ Wenn, wie in der Begründung dargelegt, die Festival-Vorbereitung ehrenamtlich kaum mehr zu leisten sei, müsse die Stadtpartie eben so gestaltet werden, dass es ehrenamtlich noch zu leisten sei. Er selbst wisse als ehrenamtlicher Vereinsvorsitzender, welche Arbeit man in seiner Freizeit zu leisten habe und tue das ja auch gerne. Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) konnte den Antrag von Stadtpartie verstehen und schlug vor, den Verein von Seiten der Stadt bei der Fördergelder-Aquise zu unterstützen.

Durchsetzen konnte die SPD den Antrag, der Einbeck Marketing GmbH für 2021 zusätzliche 35.000 Euro, für 2022 und 2023 dann jeweils weitere 25.000 Euro zu zahlen. Bei sieben Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung stimmte der Ausschuss für den Vorschlag von Dennie Klose (SPD). Er ging über den von Dr. Reinhard Binder (FDP) bereits im Stadtentwicklungsausschuss gemachten Vorschlag hinaus, im Wirtschaftsförderung-Etat zusätzliche 25.000 Euro für Einbeck Marketing vorzusehen. Dietmar Bartels (Grüne) erneuerte im für Wirtschaftsförderung zuständigen Ausschuss nun diesen Antrag und ergänzte, dass die 25.000-Euro-Spritze der Stadt unter den Vorbehalt gezahlt werden solle, wenn auch der andere Gesellschafter der GmbH eine gleiche Summe aufbringe. Einbeck-Marketing-Geschäftsführerin Anja Barlen-Herbig, selbst hinzugewähltes Ausschuss-Mitglied, gab bei diesem letztlich abgelehnten Ansinnen zu bedenken, dass der andere (Mehrheits-)Gesellschafter, der Verein Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft, aus Unternehmen aus Einbeck bestehe – und die wären in der aktuellen Corona-Wirtschaftskrise bestimmt nicht begeistert darüber. Barlen-Herbig kündigte an, sich weiterhin um zusätzliche Sponsoren und Förderer des Stadtmarketing kümmern zu wollen. Spontan erläuterte sie in der Sitzung mit einer ausführlichen Präsentation die Veränderungen in der GmbH seit ihrem Amtsantritt Anfang 2020.

Wird nach dem Maler Franz Cestnik zum 100. Geburtstag ein Weg benannt?

Am 3. August jährt sich der Geburtstag des Einbecker Malers Franz Cestnik zum 100. Mal. Wird nach dem 2011 verstorbenen Künstler pünktlich zu diesem runden Geburtstag ein Weg in Einbeck benannt? Ratsherr Alexander Kloss (parteilos) hat jedenfalls die Initiative dazu ergriffen – sozusagen als aktuelles Update zu seinem bereits in der Beratung befindlichen Antrag, Straßen in Einbeck künftig mit lokalen Namen zu benennen. Die Verwaltung hat er gebeten, sich zu der Idee eines Franz-Cestnik-Weges in der nächsten Sitzung des Kulturausschusses am Dienstag zu äußern.

Der heutige Mahlerweg mit Baustelle für ein neues Mehrfamilienhaus. Foto: Alexander Kloss

„Die Idee kam mir, während ich mir die Sitzungsunterlagen durchlas und im Tätigkeitsbericht der Wirtschaftsförderung auf den Mahlerweg stieß, an dem derzeit ja ein Mehrfamilienhaus gebaut wird“, erzählt Alexander Kloss. Im Kultur- und Wirtschaftsförderung-Fachausschuss hat das Ratsmitglied ohne Fraktionszugehörigkeit das einzige Grundmandat, das ihm zusteht. In anderen Ausschüssen kann Alexander Kloss nur als Gast teilnehmen.

Das Thema, Straßennamen nach Einbecker Persönlichkeiten zu benennen, eile imgrunde natürlich nicht. „Wobei ich mir persönlich schon wünsche, dass wir es schaffen, im 100. Geburtsjahr Franz Cestniks eine Straße nach dem vermutlich bedeutendsten Maler unserer Stadt zu benennen“, sagt Kloss. Neue Straßenbenennungen stehen ansonsten vermutlich erst mit dem Neubaugebiet am Deinerlindenweg an, was noch etwas dauern werde. Und beim Mahlerweg auf der Kühner Höhe gebe es den Vorteil, dass dieser heute gar keine Anlieger hat. Niemand müsse also seine Ausweise ändern lassen oder Ähnliches. „Wie wäre es, wenn die Straße bis zu deren Fertigstellung umbenannt und künftig den Namen Franz-Cestnik-Weg tragen würde?“, fragt Ratsherr Kloss. Zwischen den nach den Komponisten Telemann, Hindemith und Orff benannten Nachbarstraßen wäre der Franz-Cestnik-Weg außerdem würdig eingebettet, findet Kloss.

Im Juni vergangenen Jahres erfolgte am Mahlerweg der symbolische erste Spatenstich, mit dem die Bauarbeiten für das Haus begannen, die Ende dieses Jahres abschlossen sein sollen. Bis dato firmiert das Bauprojekt der Volksbank unter der Adresse „Paul-Hindemith-Straße 84“. Was der Bauherr zu der Idee sagt, ist bislang noch nicht bekannt. Die Gelegenheit ist aber in der Tat günstig, in diesem Jahr einen Weg zu benennen, bevor dann zum Jahreswechsel die ersten Mieter im neuen Mehrfamilienhaus einziehen. Ich bin mal gespannt, wie flexibel und spontan die Einbecker Politik und die Verwaltung sein können. Und der unverändert zweifellos notwendigen Grundsatz-Diskussion über Einbecker Straßennamen würde das auch gar nicht vorgreifen.

Mein Video über den Auftakt zum Cestnik-Jahr in Einbeck

Nachtrag 20.01.2021: In der Kulturausschuss-Sitzung gestern Abend wurde die Anfrage von Ratsherrn Kloss sehr kurz von der Verwaltung dahin gehend beantwortet, dass sein ursprünglicher Antrag zu den Straßennamen in der März-Sitzung des Ausschusses (geplant am 16. März 2021) ausführlich behandelt werden soll und die Verwaltung dieses wichtige Thema jetzt vorbereite, sagte der neue Museumsleiter Marco Heckhoff.

Heitmüller fragt: Was ist aus „Einbecker Zehner“ geworden?

Der Einbecker Ratsherr Dirk Heitmüller (SPD) vermisst eine Zwischenbilanz zum „Einbecker Zehner“ und bemängelt eine zu geringe Werbung für das vor fast drei Jahren gestartete Projekt der Regionalgutscheinwährung. Deshalb hat er für die nächste Sitzung des Fachausschusses für Kultur, Tourismus und Wirtschaftsförderung eine schriftliche Anfrage gestellt und bittet um Antworten. Geplant ist die Sitzung am 19. Januar.

Die regionale Gutschein-Währung „Einbecker Zehner“ wurde mit einer Auflage von 20.000 Exemplaren gestartet, bis dato seien aber nach aktuellen Angaben nur rund 6500 Zehner im Umlauf. „Das sind immerhin 65.000 Euro, die ausgegeben wurden, um die Region zu stärken“, sagt Heitmüller. „Allerdings fehlen auch noch 13.500 Zehner zum gesteckten Ziel.“

Gestartet sei man mit knapp 80 Einzelhändlern, Fachgeschäften und lokalen Dienstleistern. „Was wurde unternommen, um weitere Geschäfte von dem Konzept zu überzeugen? Wie viele Unternehmen sind aktuell in das Projekt eingebunden?“, möchte Dirk Heitmüller wissen. Laut der Einbeck Marketing GmbH sind es 77 Annahmestellen.

„Nach meinem Empfinden wurde das Projekt zu wenig bis gar nicht beworben“, sagt Dirk Heitmüller. Daher stellen sich ihm die Fragen: Welche Maßnahmen sind geplant, um einen Teil der restlichen „Einbecker Zehner“ noch in Umlauf zu bringen? Ein guter Ansatz war seiner Meinung nach der Hinweis auf die steuerfreie Sachleistung für Arbeitgeber.

Warum findet man auf der Homepage der www.einbecker-wirtschaftsfoerderung.de keinen Hinweis auf das Projekt?, fragt SPD-Ratsherr Dirk Heitmüller.

Die Erstauflage des „Einbecker Zehner“ ist einlösbar bis zum 31. Dezember 2021, also bis in etwa einem Jahr. „Wurde hier mit den Händlern und Geschäften bereits Kontakt aufgenommen, um eine flexible Auslegung zu erwirken, bzw. eine Verlängerung öffentlich zu kommunizieren? Ist eine Neuauflage ab dem 1. Januar 2022 geplant?“, fragt der SPD-Ratsherr. „Gerade in der jetzigen Zeit ist es wichtig, Kaufkraft lokal zu binden! Mit dem ‚Einbecker Zehner‘ haben wir ein gutes Instrument, um den lokalen Handel zu unterstützen.“

Dass so ein Projekt funktionieren kann, zeige Einbecks Partnerstadt Wieselburg, schreibt Dirk Heitmüller in seiner Anfrage. Hier könne man in insgesamt 115 Geschäften den Wieselburger Zehner einlösen. „Die Stadt und die Wirtschaftsförderung stehen zu 100 Prozent dahinter!“, weiß Dirk Heitmüller.

Ratsherr Dirk Heitmüller mit dem „Einbecker Zehner“. Foto: privat

Nachtrag 11.12.2020: Die Einbeck Marketing GmbH hat sich heute mit einer aktuellen Pressemitteilung gemeldet und darin auch aktuelle Zahlen zum „Einbecker Zehner“ geliefert. Die regionale Gutschein-Währung ist ein Projekt von Einbeck Marketing. Nach aktuellsten Zahlen wurden mehr als 8500 „Einbecker  Zehner“ seit Start verkauft, womit 85.000 Euro in die Kassen der lokalen Anbieter geflossen sind oder noch fließen werden. „Der Einbecker 10er ist ein tolles Instrument, um das lokale Einkaufen zu fördern. Allein in diesem Jahr haben wir mehr als 3000 Zehner verkauft, 1000 mehr als im Vorjahr. Vor allem in den Monaten Oktober und November riefen uns Unternehmen an, um die Regionalwährung für ihre Mitarbeiter als Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Knapp 2000 Stück werden unter dem Weihnachtsbaum liegen – 20.000 Euro, die den lokalen Partnern zugutekommen. Das ist viermal mehr als im Jahr zuvor – ein absolutes Rekordjahr und ein Zeichen der Solidarität“, freut sich Anja Barlen-Herbig, Geschäftsführerin der Einbeck Marketing GmbH.

Und noch ein Kloss-Antrag

Wenn er in dieser Schlagzahl weitermacht, besteht die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung ausschließlich aus seinen politischen Initiativen. Doch Spaß beiseite: Der jetzt parteilose Ratsherr Alexander Kloss wirkt seit seinem SPD-Austritt wie entfesselt von parteipolitischen Zwängen, hat er binnen weniger Tage doch jetzt schon seinen zweiten Antrag für die nächste Sitzung des Stadtrates vorgelegt, die am 9. September stattfinden wird. Der 44-Jährige möchte in Zukunft bei der Vergabe von Straßennamen vor allem Einbecker Persönlichkeiten berücksichtigt sehen, begründet Alexander Kloss seinen Vorstoß, über den nach eigenen Angaben er sich schon länger Gedanken macht, und stellt diesen Ratsantrag, wie er das angekündigt hat, weit vor der Sitzung zum erwünschten öffentlichen Diskurs.

Symbolbild/Archiv.

Der Kloss-Antrag wird voraussichtlich zur weiteren Diskussion in den Kulturausschuss überwiesen. Der bisherige SPD-Ratsherr möchte die Stadtverwaltung eine Konzeption ausarbeiten lassen, damit man bei der Vergabe von Straßennamen in Zukunft auf eine bereits vorberatene Liste von in Frage kommenden Namen zurück greifen kann. Alexander Kloss nennt als Beispiele Einbecker Persönlichkeiten die Namen von August Wenzel (u.a. früherer NFV-Fußballpräsident, nach ihm ist bereits das Stadion benannt), Wilhelm Dörge (langjähriger Bürgermeister und CDU-Landtagsabgeordneter) und Franz Cestnik (Maler, der im kommenden Jahr 100 Jahre alt geworden wäre und der bis dahin mit einem Kulturjahr bereits gedacht wird). Kloss möchte jedenfalls in Zukunft nicht die x-te Straße „nach nationalen oder internationalen Prominenten“ benennen, sondern viel lieber lokale Größen mit Strahlkraft berücksichtigen.

Das ist lobenswert und genau das, was ich bereits vor Jahren u.a. anlässlich der Einweihung des Heinrich-Keim-Weges thematisiert hatte – und auch zuletzt beim Thema Ehrenmal. Denn in dem Zusammenhang würde es auch Sinn machen, einmal politisch vor Ort zu diskutieren, wie mit einigen bestehenden Straßennamen umgegangen werden soll, deren Namen man heute nicht mehr so für Straßen vergeben würde, die nur im zeitgeschichtlichen Zusammenhang verstanden werden, beispielsweise der Carl-Diem-Weg oder die nach dem Nazi-Landrat benannte Dr.-Heinrichs-Straße in Andershausen oder auch die Agnes-Miegel-Straße. Eine solche Debatte ist nicht einfach, und vor allem müssen die Anwohner in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit mitgenommen werden. Aber es kann sehr lohnenswert sein, sich mit der Geschichte einiger Straßen und Wege auseinander zu setzen. Ein einfaches Schilder-Austauschen nicht mehr oportuner Namen ist damit selbstverständlich nicht gemeint. Bilderstürmerei ist keine historische Beschäftigung mit der Vergangenheit.

Neue Museumspädagogin

Dr. Imke Weichert bei der Ausstellungseröffnung am 18. April mit Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Imke Weichert ist seit 1. Juni neue Museumspädagogin bei der Stadt Einbeck im Stadtmuseum. Die Personalie kam überraschend in der gemeinsamen Sitzung von Kultur- und Jugend/Soziales-Ausschuss gestern Abend auf die Tagesordnung, weil sich die promovierte Kunstgeschichtlerin dort kurz vorstellte. Das war auf der Agenda eigentlich nicht vorgesehen. In der jüngsten separaten Kulturausschuss-Sitzung war die Stellenbesetzung nur kurz vage angedeutet worden, auch im Verwaltungsausschuss vor zwei Wochen war die Personalie mitgeteilt worden. „Ich freue mich, dass ich zu meinen beruflichen Wurzeln zurückkehren kann“, sagte die 51-Jährige. Das Stadtmuseum habe spannende Exponate, diese gelte es den Menschen näher zu bringen. Ihr Ziel sei es, sagte sie, die (zuletzt rückläufigen) Besucherzahlen im Stadtmuseum zu stabilisieren und wieder anziehen zu lassen. Museumspädagogische Belebung im Museum war eine der Forderungen des Masterplans Stadtmuseum, der im vergangenen Jahr vorgelegt worden war.

Dass Dr. Imke Weichert in den vergangenen Wochen im Neuen Rathaus als Künstlerin ihre Bilder ausgestellt hat, ist ihr Hobby – und es sei außerdem Zufall, die Personalauswahl sei bereits erfolgt vor der Kunst-Ausstellung „arthouse im Rathaus“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek heute auf meine Nachfrage.