Keine Weisungen

Ein Leserbrief und seine Folgen. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek hat am Donnerstag Abend im Stadtrat erklärt, dass in Kindertagesstätten der Stadt Einbeck für die verfügbaren Plätze Kinder “unabhängig von ihrer Nationalität” aufgenommen werden. “Weisungen, Plätze in den Kindertagesstätten für bestimmte Bevölkerungsgruppen vorzuhalten, gab und gibt es nicht”, sagte die Bürgermeisterin. In einem Leserbrief war behauptet worden, dass es eine Weisung “von oben” gebe, vorrangig Plätze für Flüchtlingskinder freizuhalten. Die Rathauschefin erklärte dazu, dass die betroffene Familie einen Antrag auf einen Ganztagsplatz in einem bestimmten Kindergarten gestellt habe. Ein Platz in dieser Wunscheinrichtung könne aber auch in diesem Fall nicht zugesichert werden, ohnehin würden Eltern erst nach dem 25. Februar gesicherte Informationen erhalten können. Dann hat ein interner Abstimmungstermin von Stadtverwaltung und Kita-Leitungen zur Platzvergabe stattgefunden. Im konkreten Fall habe die Stadt den Eltern mitgeteilt, dass ihr Kind aller Voraussicht nach einen Ganztagsplatz in einem anderen Kindergarten bekommen könne.

Die Krisen-Kommunikation im Rathaus lässt sich noch verbessern. Einen solchen Leserbrief mit einer ja aus Sicht der Verwaltung unzutreffenden Behauptung tagelang unkommentiert zu lassen hat dazu geführt, dass der Zeitungsausschnitt währenddessen wild durchs Web wanderte und in Sozialen Medien heftigst auch überregional diskutiert wurde – aber eben bei den Lesern immer nur in Kenntnis der einen Seite der Medaille. Keine gute Werbung für Einbeck. Warum die Bürgermeisterin als Weg einer Entgegnung ihren Bericht in der Ratssitzung wählte, der ja nur eine eher begrenzte Öffentlichkeit erreicht, erschließt sich mir auch nicht ganz.

Nachtrag 13.02.2016: Auch der Kreistagsabgeordnete Peter Traupe (Einbeck) hat um dringende Aufklärung des Sachverhalts und Lösungsvorschläge gebeten, spätestens im nächsten Jugendhilfeausschuss des Kreistages am 8. März, schreibt er an den Ersten Kreisrat Dr. Hartmut Heuer (JHA_Rechtsanspruch_Kitaplaetze Peter Traupe 050216). Eine Antwort ist bislang noch nicht bekannt. Es gebe einen Rechtsanspruch auf Plätze in der Kinderbetreuung. Wenn die Kapazitäten ausgeschöpft seien, beispielsweise durch Kinder von Flüchtlingen, müsse sich der Jugendhilfeträger darum kümmern, weitere zusätzliche Plätze zu schaffen, erklärte der SPD-Politiker.

Nachtrag 19.02.2016: Nach Mitteilung des Ersten Kreisrates Dr. Hartmut Heuer in seiner Antwort an den Kreistagsabgeordneten Peter Traupe sind die notwendigen Platzkapazitäten für Flüchtlinge in den Kitas bereits in die Bedarfsplanungen aufgegriffen worden, der Fachausschuss des Kreistages wird darüber am 8. März sprechen. Dr. Heuer hat außerdem nach Rücksprache mit der Stadt Einbeck noch einmal deutlich gemacht, dass es unzutreffend sei, vorranggig Betreuungsplätze für Flüchtlingskinder freizuhalten. Die Stadt Einbeck habe klärende Gespräche mit dem Leserbrief-Autor sowie mit der Kita-Leiterin geführt.

4 Gedanken zu „Keine Weisungen

  1. Das kann ich so nicht stehen lassen! Wir haben diese Aussage nicht auf Nachfrage bekommen, sondern die Leiterin der Kindertagesstätte ist aktiv auf uns zugegangen und hat diese Aussage uns gegenüber getätigt! Und zwar gegenüber allen Eltern mit Kind in der Kinderkrippe! Uns wurde gesagt, dass uns momentan kein Kindergartenplatz in dieser Einrichtung nach der Krippe garantiert werden könne, da eine Anzahl von Plätzen für Flüchtlingskinder zu reservieren sei, und wir uns deshalb schon mal nach einem anderem Kindergartenplatz umschauen sollten! Der übliche Ablauf der Übernahme von “Krippenkindern” in den Kindergarten derselben Tagesstätte könne nicht mehr garantiert werden. Das war die Aussage!

    Genau deshalb habe ich diesen Leserbrief verfasst, da wir als berufstätige Eltern auf einen Ganztagsbetreuungsplatz für unsere Tochter angewiesen sind!

    Ich persönlich habe den Leserbrief auch nicht ins Netz gestellt und war selber überrascht von der ausgelösten Lawine und den Reaktionen.

    • Danke für den Kommentar. Ich kann den Ärger gut verstehen und glaube auch nicht, dass Sie leichtfertig Leserbriefe ohne Anlass und verlässliche Aussagen schreiben. Mit meinem Beitrag wollte ich allerdings vorrangig die vornehm gesagt “unglückliche” Reaktion aus dem Rathaus kritisieren, hier hätte ich mir eine direkte Antwort gewünscht, vielleicht ein Gespräch, jedenfalls kein Bandenspiel über öffentliche Ratssitzung etc. Vielleicht kam das nicht so deutlich herüber, wie von mir beabsichtigt.

  2. Ich erhielt heute am 22.02.2016 auf meine Anfrage vom 04. 02.2016 die Antwort der Bürgermeisterin Dr. Michalek, wie sie im o.g. offiziellen Teil geäußert wurde. Die Aussage der Bürgermeisterin steht gegen die Aussagen der Elternschaft, um es verkürzt auszusprechen, hier schwindelt eine Seite !!! Ich bin aber sicher, das sich jemand nicht die Mühe macht eine Aussage in einem Leserbrief zu treffen, wenn sie falsch wäre, zumal er mit vollem Namen benannt ist.
    Weiterhin wird vehement dementiert, das es überhaupt zu einem klärenden Gespräch gekommen sei zwischen der Stadt und den Eltern.. Hier liegt ein Skandal in der Luft, der mit Falschaussagen klein gehalten werden soll, um vor den Tatsachen abzulenken.

    • Danke für den Kommentar. Schade, dass Sie Ihren Namen nicht nennen, gleichzeitig aber schwere Vorwürfe erheben. Wer dementiert denn ein klärendes Gespräch?

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