Schlüssel an den Karneval übergeben: Zu regieren die Stadt mit närrischem Plan…

Die Narren haben den Schlüssel: Prinzenpaar Sabrina I. und Michel I., Kinderprinzessin Madita I. (mit dem Schlüssel), Kindertill Stella und Till Markus Henze, Adjutantin Lina.
Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek mit dem symbolischen Schlüssel der Macht.

Die Narren haben jetzt den Schlüssel. Sie regieren bis Aschermittwoch, wenn Kappen und Orden wieder abgelegt werden. Im Jahr der Bürgermeisterwahl lassen sich die letzten Worte von Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, bevor sie heute Mittag den Rathaus-Schlüssel und damit die politische Macht an den Karneval abgab, nicht nur als Ansage mit Augenzwinkern verstehen: Bis Aschermittwoch räume sie zwar das Feld und freue sich auf das Katerfrühstück Ende Februar, „danach, da könnt Ihr aber sicher sein, dann steige ich gern wieder in die Arbeit ein“.

Nun aber starte die fünfte Jahreszeit, wollten die Narren das Rathaus entern. Doch so leicht wolle sie es ihnen nicht machen, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek auf der Rathaustreppe. „Davon könnt Ihr lange träumen, ich werde meinen Platz nicht räumen. Ich will das Rathaus beschützen vor Krach und Tumult, denn geht was zu Bruch, wer hat dann die Schuld? In Wahlkampfzeiten noch umso eher, da wird nicht toleriert der kleinste Fehler. Ihr kommt hier nicht rein, das Rathaus, das bleibt mein. Mal eben so zu kapern den Schlüssel zur Macht, das mach ich Euch nicht so leicht wie Ihr vielleicht gedacht.“

Prost Einbecker! Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU), Alexander Kloss (SPD), Dr. Reinhard Binder (FDP), Sabrina I. und Michel I. Ihrke, Karneval-Präsident Henry Peter und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (v.l.).

Einbeck sei eine schmucke Stadt, und natürlich könne manches besser sein. „Bei Breitband, Kirchplatz, Bürgerhaus, da sieht es noch nicht so wirklich prächtig aus. Hier brauchen wir noch etwas Zeit, bis es dann endlich ist soweit: Mit neuen Fenstern, schmuckem Pavillon und schnellem Internet, ich bin sicher, Einbeck wird dann noch mal so nett.“ Die Rathauschefin gab aber auch eine Mahnung mit auf den Weg: „Was andres liegt mir noch am Herzen, und dabei ist mir’s wahrlich nicht zum Scherzen: In Einbeck können wir immer dann viel erreichen, wenn wir auf Parteigrenzen pfeifen, wenn wir achten die Ideen und Worte der anderen Fraktion, und uns nicht vergreifen im Ton, wenn nicht Misstrauen und Streit walten im Rat, sondern bei uns Herz und Verstand regieren anstatt! Denn nur mit Menschen, die freundlich zueinander sind und auch mal zusammen lachen, können wir alle zusammen unsere Heimat noch viel schöner machen.“

Am Ende ergab sich Dr. Sabine Michalek dann doch und rückte den Schlüssel raus, mit dem Wunsch auf ihn gut Acht zu geben. „Die zweite Bitte ist, das Rathausschiff sicher zu lenken, ohne gleich die ganze Mannschaft zu versenken. Und zum dritten bitte ich sehr, dass es Euch gelingt, zu regieren die Stadt mit närrischem Plan, damit ich am Aschermittwoch – ausgeruht und beschwingt – ein wohlgeordnetes Rathaus und eine geeinte Politik vorfinden kann.“

Der Tollitäten-Orden Niedersachsen in dieser Session mit Einbecker Stadtwappen.

Jetzt aber hat das Prinzenpaar Sabrina I. und Michel I. mit seinem Gefolge die närrische Macht in Einbeck übernommen. „Ich als Taxifahrer fordere ein System, mit dem will ich nur noch grüne Ampeln sehn“, sagte Prinz Michel. Er kündigte an, die ernsten Themen ab jetzt ruhen zu lassen. „Lasst uns diese Zeit genießen und die schlechte Laune mit dem Schlüssel einschließen.“ Kinderprinzessin Madita I. freute sich schon auf die neue Multifunktionshalle, wollte aber nicht so viele Worte machen, sondern lieber ihren Traumprinzen suchen. Erstmals grüßte der neue Präsident der Gesellschaft der Karnevalsfreunde Einbeck, Henry Peter, vom Rathausbalkon. Mit Spaß und Geselligkeit wolle man regieren. Er dankte allen Teilnehmern des bunten Umzugs durch die Stadt vor der Schlüsselübergabe. Peter überreichte der Bürgermeisterin den Tollitäten-Orden des Karnevals im Land Niedersachsen, auf dem in diesem Jahr das Wappen der Stadt Einbeck zu sehen ist. „Das ist für uns und die Stadt eine große Ehre, darauf darf man ruhig stolz sein.“

Wenige Wochen vor der Bürgermeisterwahl in Einbeck am 13. September und wenige Tage vor dem Bewerberschluss bei der SPD war es natürlich besonders aufschlussreich zu beobachten, wer auf dem Rathausbalkon stand (und wer nicht), wer die Nähe der Macht geradezu suchte (und wer nicht), besonders von potenziellen Kandidaten. Die Fotos zeigen es gut, auch hier. Ein Kommentar ist da gar nicht erforderlich.

Da hat sie ihn noch, den Stadtschlüssel, auf den vermutlich auch andere als nur die Narren schielen: Dirk Heitmüller (SPD), Dr. Sabine Michalek (CDU) und Alexander Kloss (SPD) (v.l.).