„Alte Trocknung“ in Kreiensen soll zum Wohnmobilplatz mit Hofladen und Eventgastronomie werden

Das Gelände wächst immer mehr zu, das gerade noch erkennbare Gebäude verfällt zusehens. Das soll sich ändern. Wenn es nach dem Willen der Unternehmer-Familie Langheim geht, kann die „Alte Trocknung“ in Kreiensen zu einem modernen Wohnmobilplatz mit regionalem Hofladen und einer Erlebnisgastronomie umgestaltet werden, in der auch Veranstaltungen stattfinden sollen. Das in den 1950-er Jahren entstandene Areal einer einstigen Getreidetrocknung liege verkehrsgünstig am viel befahrenen Europaradweg R1 und unweit der Bundesstraße 64 am Ortsrand der Einbecker Ortschaft, erläuterte Louis Langheim im Ortsrat Kreiensen die Konzeption seiner Familie. Radtouristen sollen hier auch nächtigen können. Entsorgungs- und Waschmöglichkeiten für Wohnmobilisten sowie E-Lade- und Servicefunktionen für Radtouristen sollen das Angebot abrunden.

Das Gelände wuchert zu: die „Alte Trocknung“ in Kreiensen.
Louis Langheim.

Die Geschichte der Fabrikanlage soll sich bei „Die Trocknung – Erlebe den Moment“, wie Langheims ihr Projekt nennen, in aufgewerteten Strukturen architektonisch wiederfinden. Die Investoren rechnen mit Kosten in Millionenhöhe. Doch bevor sie die nächsten Schritte gehen, möchten Langheims mehrere Fragen geklärt sehen: Wer macht die zugewucherte Ruine zugänglich und entsorgt Schutt und Müll, wie steht es um den Hochwasserschutz in diesem Gebiet unweit der Leine? Diese Probleme könne man nur gemeinsam mit Stadt, Landkreis und mit dem Land Niedersachsen lösen, dem das Grundstück zurzeit gehört. Die Investoren suchen nach Unterstützung in den Behörden.

Den Ortsrat Kreiensen hat Familie Langheim auf ihrer Seite – zunächst noch ohne formalen Beschluss. „Ich finde das Projekt sehr gut, was ich als Ortsbürgermeister unterstützen kann, das tue ich“, sagte Axel Ambrosy. Die Mitglieder des Ortsrates sahen das ebenso. Die Einflussmöglichkeiten des Gremiums seien jedoch begrenzt. Im Ortsrat sei die Ruine der „Alten Trocknung“ mit ihren fortwährenden Probleme seit Jahrzehnten immer wieder Thema gewesen, ergänzte der frühere Ortsbürgermeister Hans-Henning Eggert. Es wäre schön, wenn sich dort etwas tue. 

Verfällt seit Jahren, das Gelände wuchert zu: die „Alte Trocknung“ in Kreiensen.

Das sagt der Landkreis     

Der Landkreis Northeim hat vor 20 Jahren erfahren, dass im Bereich der „Alten Trocknung“ Bauschutt abgelagert wurde. Wie Pressesprecher Dirk Niemeyer sagte, sei seinerzeit entschieden worden, die als „nicht gefährlicher Abfall“ eingestuften Bauschuttablagerungen auf dem Grundstück zu belassen und mit Erde zu überdecken. „Hinweise oder Belege dafür, dass dort auch Altöl oder Autobatterien vergraben wurden, gab es nicht“, sagte Niemeyer. Bei einer aktuellen Ortsbesichtigung habe man keine austretenden Flüssigkeiten oder ähnliches und auch keine gefährlichen Abfälle wie Batterien und Altöl festgestellt. „Eine unmittelbare Gefahr, welche ein Tätigwerden des Landkreises als Untere Abfallbehörde rechtfertigen würde, ist somit aktuell nicht erkennbar“, sagte Niemeyer.

Das sagt die Stadt Einbeck

Auch die Stadt Einbeck sieht zurzeit keinen Handlungsbedarf für das rund 4000 Qudratmeter große im Westen ihrer Ortschaft Kreiensen gelegene Grundstück, wie Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek sagte. Das Areal ist nach Eigentumsaufgabe durch den früheren Eigentümer herrenlos. Das Land Niedersachsen, das in solchen Fällen das Recht des ersten Zugriffs hat, plant eine Versteigerung des Geländes, einen Termin gibt dafür derzeit noch nicht. Eine Bauvoranfrage für die „Alte Trocknung“ ist bislang im Rathaus noch nicht eingegangen.

Die Stadt Einbeck hatte 2017 in einem Rechtsstreit mit dem ehemaligen Eigentümer zwar vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg verloren (Az.: 1 ME 70/17), die Behörde wollte damals nach mehreren Brandeinsätzen 2013 und 2015 erreichen, dass er das Gebäude gegen Betreten verschließen sollte, durfte ihn jedoch nicht mehr zur Beseitigung der von dem Gebäude ausgehenden Gefahr heranziehen, weil der einstige Eigentümer 2013 das Grundstück aufgegeben und auf sein Eigentum verzichtet hatte. Letztlich habe das Verfahren aber dazu geführt, dass der Landtag Ende 2018 die Niedersächsische Bauordnung bei der Regelung zur Kostenverteilung bei herrenlosen Grundstücken geändert hat, erläuterte Michalek.

Ein Foto aus besseren Tagen: undatiertes Bild der „Alten Trocknung“. Foto: Heimatverein Kreiensen

Ein Kommentar zu „„Alte Trocknung“ in Kreiensen soll zum Wohnmobilplatz mit Hofladen und Eventgastronomie werden

  1. Da hatten sich die Lüneburger Richter vor sechs Jahren auf die Seite des privaten Beteiligten geschlagen, was die öffentliche Hand ärgern muss. Erfreulich ist, dass nun für die Dereliktion andere Rechtsnormen maßgeblich sind.
    Schade ist, dass die Kommune vor der Gerichtsverhandlung im Sommer ’17 keine überzeugenden Argumente fand, wonach doch Hinreichendes für die Annahme einer Sittenwidrigkeit und damit Unbeachtlichkeit der 2013 erklärten und eingetragenen Dereliktion zu konstatieren war. Eine sittenwidrige und damit im Verhältnis zum Hoheitsträger als unwirksam zu behandelnde Dereliktion wäre für die Kommune günstiger gewesen, weil verhindert worden wäre, dass man die mit der Erfüllung öffentlich-rechtlicher Pflichten verbundenen Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen durfte. Daneben ist auch schade, dass Hinweise der Kommune, der bis 2012 zuständige Landkreis Northeim habe dem privaten Beteiligten in der Vergangenheit wiederholt Sicherungsmaßnahmen auferlegt und die Dereliktion sei in direktem zeitlichem Zusammenhang mit dem Aufgreifen der Angelegenheit durch die Bauaufsichtsbehörde Einbeck erfolgt, nicht bei den Lüneburger Richtern durchdrangen. Besser wäre die Benennung konkreter Indizien gewesen, die darauf hinwiesen, dass der private Beteiligte auch unmittelbar vor seinem offenbar im August 2013 erfolgten Entschluss zur Eigentumsaufgabe mit einem Einschreiten der Kommune rechnen musste.

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