Schnee von gestern

Viel Lob gab es heute von allen für die Arbeit der Mitarbeiter des Kommunalen Bauhofs beim mehr als 78-stündigen Dauereinsatz im Winterdienst gegen die Schneemassen Anfang Februar. Im zuständigen Betriebsausschuss stand ein Resümee der heftigen Schneetage auf der Tagesordnung. Einig war sich der Ausschuss, aus dem sprichwörtlichen Schnee von gestern für den Winter von morgen lernen zu wollen. In welcher Form, blieb zunächst offen. Beschlüsse dazu gab es heute noch nicht.

Bauhof-Leiter Dirk Löwe bilanzierte den intensiven Einsatz seiner Mitarbeiter: Innerhalb von zwei Tagen seien zwischen 30 und 40 Zentimeter Schnee gefallen, begleitet von starkem Wind – ein Wetterereignis, das nur alle 20 bis 50 Jahre auftrete, schätzte er. Durch den heftigen Schneefall und den Wind gerade zu Beginn der Schneetage sei es nur möglich gewesen, die Hauptverkehrsstraßen zu räumen. Die Situation im Bereich des Krankenhauses habe dazu geführt, dass Touren immer wieder unterbrochen werden mussten, um die Erreichbarkeit der Klinik zu gewährleisten, schilderte der Bauhof-Chef die Lage. Man habe alle 30 bis 45 Minuten die Zufahrt geräumt. Zeitweise jedoch habe es eine „extreme Lage“ gegeben, als nach erfolgter Räumfahrt zehn Minuten später schon wieder alles ausgesehen habe, „als wären wir nie da gewesen“. Erschwerend sei Sonntag Vormittag hinzu gekommen, dass ein Lkw ausgefallen sei. Es sei den engagierten Kollegen des Bauhofs zu verdanken, dass innerhalb kürzester Zeit an einem Sonntag Ersatzteile herbei geschafft werden konnten, um den Lkw wieder flott zu machen. Bei einem anderen Fahrzeug hätten die Mitarbeiter auch bei zersplitterter Heckscheibe weiter geräumt, sagte Löwe. „Die haben die Heizung höher gedreht und sind weitergefahren.“

„Sie haben alles getan, mehr war nicht möglich“, dankte Rolf Hojnatzki (SPD) den Mitarbeitern des Bauhofs. Er schlug vor, auch für normalere Winterlagen eine größere Verlässlichkeit zu schaffen, zumal in der älter werdenden Bevölkerung immer mehr Menschen auf mobile Pflegedienste oder Mahlzeitendienste angewiesen seien – bei jedem Wetter. Hojnatzki schlug vor, mit den ohnehin geplanten Beschaffungen von Fahrzeugen nicht allzu lange zu warten und beispielsweise den für 2022 vorgesehenen Radlader auf 2021 vorzuziehen und dieses über einen Nachtragshaushalt zu finanzieren. Bei den Winterdienst-Ausschreibungen in den Ortschaften, die im Sommer turnusmäßig anstehen, sei auf die tatsächlichen Leistungsfähigkeiten der Anbieter intensiver zu achten.

Ulrich Vollmer (CDU) war wichtig, bei den Kosten maßzuhalten, zumal die Winterdienstgebühr in diesem Jahr bei 0 Euro stehe. Er warnte auch vor „Knebelverträgen“ mit Auftragsnehmern in den Ortschaften, wie er sagte. In seinem Heimatort Edemissen sei man mit der Leistung sehr zufrieden. Vollmer schlug vor, in Zukunft für Extremfälle im Winter einen Fahrzeugpool beispielsweise bei Bauunternehmen zu bilden, die auf Standby für den Fall der Fälle sein könnten. Armin Hinkelmann (GfE) ergänzte, mögliche Einsatzspitzen könne man vielleicht auch durch eine Vereinbarung mit einem örtlichen Unternehmen abdecken, das Baumaschinen vermiete.

Bauhof-Leiter Dirk Löwe sieht die mittelfristige Investitionsplanung des Kommunalen Bauhofes durch die Schneelage bestätigt: 2022 ist geplant, einen Radlader für die Außenstelle in Greene anzuschaffen. Durch diesen kann der bisher auch für Ladetätigkeiten (Streusalz) genutzte Trecker sowohl im Winterdienst als auch zu anderen Jahreszeiten verstärkt in der Baumpflege eingesetzt werden. Ein für 2021 geplantes Fahrzeug soll als Pick-Up mit Allrad angeschafft werden. Alle Fahrzeuge können ganzjährig genutzt werden und „verkleinern die bisherige Lücke bei den mittelgroßen Geräten für den Straßenwinterdienst“, sagte Löwe.

Kein Thema war heute der Antrag der SPD-Fraktion mit seinen Ideen zum Winterdienst, unter anderem an ein Feuerwehrfahrzeug eine Schneeräumoption für den Notfall anzubringen. Der Antrag muss erst noch im Stadtrat formal eingebracht und dann in die Ausschussberatungen verwiesen werden.

Anmerkung: In einer ersten Version des Textes war irrtümlicherweise die Rede davon, dass der SPD-Winterdienst-Antrag erst noch eingebracht werden müsse. Das ist falsch, er hatte bereits im Finanzausschuss Mitte Februar keine Mehrheit in den Haushaltsberatungen gefunden – wie von mir selbst hier bereits berichtet. Ich bitte, den Fehler zu entschuldigen.

Der Bauhof im Winterdienst-Einsatz am Vormittag des 7. Februar 2021 auf dem Stiftplatz in Einbeck.

SPD lobt den Einsatz der Winterdienste und fordert Unterstützung

Die SPD-Ratsfraktion verbindet ihr Lob für den Winterdienst-Einsatz in den vergangenen Tagen mit Forderungen, die handelnden Akteure für solche Einsätze besser auszustatten. Die Stadtverwaltung müsse außerdem die Prioritätenliste für den Winterdienst aktiv und besser kommunizieren, und auch die Krankenhaus-Zufahrt müsse in Wintertagen besser erreichbar sein, heißt es in einer Pressemitteilung der Sozialdemokraten.

Die SPD-Fraktion bedankt sich ausdrücklich bei den Winterdiensten, dem kommunalen Bauhof, den privaten Unternehmen und den Straßenmeistereien für ihren permanenten und engagierten Einsatz. „Eine solche Schneemenge haben wir seit vielen Jahren nicht mehr gehabt“, erklären die Sozialdemokraten im Stadtrat. Jedem sei bewusst, dass angesichts dieser Ausnahmesituation, die Räumdienste nicht überall sein können. Doch vielen Bürger sei die Priorisierung beim Winterdienst nicht bekannt. Hier sei die Stadtverwaltung gefordert, sich hinter die Einsatzkräfte zu stellen und aktiv öffentlich zu machen, welche Prioritäten definiert sind und wie diese abgearbeitet werden.

Sorge bereitet den Sozialdemokraten laut ihrer Mitteilung, dass Einwohner ihnen von einer erschwerten Erreichbarkeit des Einbecker Bürgerspitals berichten. „Auch wenn sich das Krankenhaus in privater Trägerschaft befindet und damit die Stadt materiell nicht zuständig ist, appellieren wir an die Verwaltung, gemeinsam mit dem Krankenhausbetreiber unverzüglich Abhilfe zu schaffen und darüber hinaus für die Zukunft eine Lösung zu finden“, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzender Rolf Hojnatzki.

Um künftig bei Extrem-Wetterlagen besser gewappnet zu seien, will sich die SPD-Fraktion im Finanzausschuss für eine bessere Ausstattung einsetzen. So soll das für die Feuerwehr zu beschaffene Wechselladerfahrzeug mit einem Räumschild ausgestattet werden. Ebenso sollte bei der Beschaffung des Fahrzeuges ein für den Winterdienst geeignetes Fahrgestell gewählt werden, meint die SPD. Ferner sollte dazu ein Abrollbehälter „Streugut“ beschafft werden. „Wir beantragen außerdem, im nächsten Bauausschuss und im Betriebsausschuss Kommunaler Bauhof über die Erfahrungen aus dieser Schneelage zu sprechen und weitere mögliche Verbesserungen zu prüfen“, erklärte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Marcus Seidel.

Winterdienst auf dem Einbecker Marktplatz vor dem Alten Rathaus am Morgen des 7. Februar.

Nachtrag 17.02.2021: Im Finanzausschuss konnte sich die SPD mit ihrem Vorschlag, ein zu beschaffendes Feuerwehr-Fahrzeug für den absoluten Notfall winterdienstfähig auszustatten, nicht durchsetzen. Stattdessen blies Marcus Seidel (SPD), selbst Feuerwehr-Führungskraft, der eisige Gegenwind nicht nur der politischen Gegner ins Gesicht, sondern auch der Feuerwehrspitze. Stadtbrandmeister Lars Lachstädter wurde in der Sitzung mit einer Stellungnahme zitiert: „Sollte in dieser ersten Zeit der Brandbekämpfung die Winterausrüstung montiert sein bzw. das Fahrzeug gar im Wintereinsatz unterwegs sein, geht wertvolle Zeit verloren, in der das Fahrzeug nicht für den Feuerwehreinsatz zur Verfügung steht und in Folge der möglichen Brandausbreitung ein erhöhter Schaden an Sachwerten oder gar Menschenleben entsteht. Dies widerspricht dem angedachten Einsatzzweck des Fahrzeuges fundamental. Außerdem weisen wir auf die rechtlich problematische Nutzung eines Feuerwehrfahrzeugs als Winterdienstfahrzeug hin. Wir möchten darauf hinweisen, dass eine Doppelnutzung unseres Erachtens nicht vertretbar ist.“ Die ehrenamtliche Feuerwehr sei nicht zum Schnee schieben da, hieß es in der Diskussion im Finanzausschuss, und wenn ein Feuerwehrauto erst so ausgerüstet und im Wintereinsatz sei, könne es nicht mehr zeitgleich für die eigentlichen Brandschützer-Notfälle eingesetzt werden. Marcus Seidel fühlte seinen Vorschlag massiv zugespitzt dargestellt, er meine doch mit seiner Idee nur den allergrößten Notfall. Natürlich müsse der Bauhof grundsätzlich besser für solche Schnee-Lagen ausgestattet werden. Die 6:5-Mehrheit im Finanzausschuss lehnte die Finanzmittel für ein Wechsellader-Räumschild trotzdem ab. Das Thema dürfte inhaltlich nochmal im Bau- und Bauhof-Ausschuss zur Sprache kommen, möchte die Mehrheit ungeachtet dessen gerne für Schnee-Winter-Notfälle in Zukunft vorbeugen und beispielsweise Unternehmen oder Landwirte als Notreserve in der Hinterhand haben, wenn mal wieder so viel Schnee gleichzeitig fällt wie vor einer guten Woche.

Bürgerspital: Dankbarer Frühjahrsempfang nach lebhafter Zeit

Die stellvertretende Bürgermeisterin Antje Sölter (l.) begrüßte beim Frühjahrsempfang des Einbecker Bürgerspitals Dr. Sandra Röddiger und Frederic Lazar (r.) in Einbeck.

Seit knapp einem Jahr ist das Radio-Onkologie-Netzwerk (RON) von Dr. med. Sandra Röddiger und Dr. med. Ralf Kurek Eigentümerin des Einbecker Bürgerspitals. Zum Dank für eine lebhafte Zeit mit viel Unterstützung, zu Gesprächen und Erfahrungsaustausch hatte das Bürgerspital Vertreter der Stadtratsfraktionen, aus der Ärzteschaft und Unterstützer des Krankenhauses zum erstmals organisierten Frühjahrsempfang in den Benz-Victoria-Saal des PS-Speichers eingeladen.

Dr. Sandra Röddiger begrüßte die Gäste und erinnerte an die Suche des von ihr und ihrem Mann geleiteten bundesweit vor allem in der Strahlenthearapie tätigen Praxenverbundes nach einem kleinen Krankenhaus, mit dem sie ihre Unternehmung strukturieren können. Sie würdigte das seit Jahren andauernde große Engagement der Bürger der Stadt für die Klinik und die Verbundenheit. „Das ist wirklich herausragend“, sagte Röddiger.

Dr. Sandra Röddiger und Frederic Lazar.

„Wir freuen uns, dass sie sich für Einbeck entschieden haben“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Antje Sölter. „Wir sind eine Stadt mit vielen engagierten Bürgern, manche im Hintergrund, manche im Vordergrund.“ Vielen Menschen liege die Zukunft dieses Hauses am Herzen, nicht umsonst heiße es Einbecker Bürgerspital. Dass die neuen Eigentümer diesen Namen beibehalten haben, sei ein wichtiges Signal für die Stadt, sagte Sölter.

Die wohnortnahe Patientenversorgung sei wichtig. Im Bürgerspital stehe der Patient an erster Stelle. „Hier ist Frau Müller Frau Müller und nicht irgendeine Patientennummer.“ Hier in Einbeck werde noch vor Ort gekocht, könne das Zimmer noch individuell gereinigt werden, komme die Diätassistentin persönlich vorbei, helfe die Physio-Abteilung den Patienten, nach einer OP schnell das Bett zu verlassen. Das Einbecker Bürgerspital biete dabei nicht nur die Grund- und Regelversorgung, sondern durchaus auch Spezialgebiete. Mit der Krankenpflegeschule vor Ort sei die Ausbildung ein wichtiger Bereich. „Das Radio-Onkologie-Netzwerk führt Bewährtes fort, bringt Neues mit und ist offen für Gespräche.“ Von öffentlicher Seite wünschten sich Rat und Verwaltung unverändert einen Erhalt der Klinik mit zukunftsfähigen Ideen. „Wir stehen im engen Austausch und freuen uns, dieses beizubehalten.“ Die stellvertretende Bürgermeisterin dankte den neuen Eigentümern für ihr Vertrauen, und sie lobte den Einsatz der Mitarbeiter seit Jahren.

EBS-Geschäftsführer Frederic Lazar dankte der Stadt Einbeck, den Freunden des Bürgerspitals, allen Bürgern und besonders Anja Osterloh, Andreas und Michael Büchting, Karl-Heinz Rehkopf und Walter Schmalzried, die in der Übergangsphase stark geholfen hätten, wie er sagte. Lazar bedankte sich außerdem bei den Fraktionen des Stadtrates für die politische Unterstützung, den Standort mit seinen Mitarbeitern für die Bevölkerung zu erhalten. Großen Respekt habe er vor allem vor den Mitarbeitern, die in den vergangenen Jahren Großartiges geleistet hätten. „Wir haben Einiges hinter uns, aber wir haben auch Einiges vor“, sagte Lazar. Er kündigte Investionen in die Infrastruktur des Hauses an. Ende April werden ein neues Röntgen-Gerät und ein neuer 64-Zeilen-CT in Betrieb gehen. Bisher haben die neuen Gesellschafter rund 340.000 Euro investiert. Im vergangenen Jahr hat das Einbecker Bürgerspital zehn Pflegekräfte und fünf Ärzte neu eingestellt, in der Klinik arbeiten jetzt 320 Mitarbeiter, viele davon schon 20 Jahre und länger.

Im Einbecker Bürgerspital wurden 2019 insgesamt 4350 Patienten stationär behandelt, 1750 Operationen durchgeführt, 1465 stationäre OPs durchgeführt, 190.000 Essen gekocht und 28.000 physiotherapeutische Behandlungen durchgeführt.

Frühjahrsempfang des Einbecker Bürgerspitals mit Vertretern aus Politik und Ärzteschaft.

Gekommen, um zu bleiben

Einen Amber pflanzen Dr. Sandra Röddiger, Dr. Ralf Kurek und Geschäftsführer Frederic Lazar vor dem Krankenhaus.

Sie wollen Wurzeln schlagen. Und pflanzen nicht nur deshalb gerne einen Baum, in diesem Fall einen gestifteten Amber. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, sagen Dr. Sandra Röddiger und Dr. Ralf Kurek. Die neuen Eigentümer des Einbecker Krankenhauses sind seit der Übernahme des Hauses vor rund einem Vierteljahr schon einige Schritte gegangen, viele davon waren nach außen nicht so sichtbar. Es brauche Zeit und Überzeugungsarbeit, neues Vertrauen bei allen medizinischen Mitspielern auf dem Markt aufzubauen, sagen sie. Das Einbecker Bürgerspital hat in den vergangenen Jahr schließlich Einiges mitgemacht. Am Horizont bleibt ein Klinik-Neubau die Perspektive, aber zunächst sehen sich die neuen Chefs in der Rolle, in Vorleistung zu gehen, in Bauunterhaltung zu finanzieren und mit der gegebenen Substanz zu arbeiten. In dem Wissen, dass die im Gebäude von den Mitarbeitern geleistete Medizin das Wichtigste für die Patienten ist.

Dr. Sandra Röddiger und Dr. Ralf Kurek.

Dass das kleine Krankenhaus für die Region notwendig ist, steht für Dr. Sandra Röddiger und Dr. Ralf Kurek ohnehin nicht in Frage. Die ländliche Gegend kennt das naturverbundene Mediziner-Ehepaar aus der Ostalb, wo es mit seinem Radio-Onkologie-Netzwerk (RON) seit gut einem Jahrzehnt aktiv ist. Mit dem Einstieg in Einbeck setzt das Unternehmen aus Baden-Württemberg erstmals in Niedersachsen seine Wachstumsphase fort. Ein Krankenhaus bietet im komplexen Medizinmarkt mit seinen Kassensitzen, Zulassungen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) bessere Möglichkeiten, strategisch und langfristig orientierte Finanzierungspartner zu beteiligen.

Die Versorgung der Patienten vor Ort und wohnortnah sei immens wichtig, sagen die neuen Bürgerspital-Chefs. In einer älter werdenden Gesellschaft erst recht. Die Einbecker Klinik sei hier fachlich in den klassischen Disziplinen schon gut aufgestellt, arbeite mit einem treuen Personalstamm seit Jahren gut. Neue Schwerpunkte oder Fachbereiche seien nicht konkret geplant. Wenn sich ein guter Schmerzmediziner bewerbe, würden sie diesen jedoch nicht ablehnen, lassen die beiden im Gespräch augenzwinkernd durchblicken. Mit der Klinik in Hann.Münden, die wie das Einbecker Haus mit Prof. Dr. Volker Kliem den gleichen ärztlichen Leiter hat, gebe es bereits eine enge Zusammenarbeit, vor allem in der pulmologischen (lungenfachärztlichen) Diagnostik und weiteren Behandlung.

Die stilisierte „Röhre“ eines MRT/CT hat in das neue Logo des Bürgerspitals Eingang gefunden.

Nach außen werden die neuen Eigentümer des Einbecker Krankenhauses immer stärker sichtbar. Zurzeit haben die Maler an der Fassade ihr Gerüst aufgebaut, bringen dort neben neuer Farbe auch deutlich sichtbar in Orange das neu kreierte Logo des Einbecker Bürgerspitals an. Dieses ist eine Anlehnung an das Logo des RON, stilisiert die „Röhre“ der Diagnose-Geräte MRT/CT. Über Logo und neuen Slogan („Patientennah und kompetent“) haben die Krankenhaus-Beschäftigten mit abgestimmt. Die Mitarbeiter haben sich außerdem mehrheitlich dafür ausgesprochen, beim Neustart den Namen „Einbecker Bürgerspital“ (EBS) beizubehalten. Dieser sei inzwischen bekannt.

Frische Farbe, neues Logo an der Fassade des Einbecker Krankenhauses.

Ärzteverbund steigt beim Bürgerspital ein

Neue Eigentümer vor dem Einbecker Bürgerspital: Dr. med Sandra Röddiger und Dr. med. Ralf Kurek führen einen bundesweiten Ärzteverbund.

Das Einbecker Bürgerspital hat neue Eigentümer: Mehrheitsgesellschafter ist ein bundesweit tätiger Ärzteverbund, der von den Medizinern Dr. med. Sandra Röddiger und Dr. med. Ralf Kurek geführt wird. Beide haben sich heute Mittag in einer Mitarbeiterversammlung in Einbeck vorgestellt. Unterstützt wird der Verbund von Dr. Reinhard Wichels und seinem Managementteam. „Das Einbecker Bürgerspital steht nicht mehr allein da, sondern es hat sich starke Partner gesucht“, sagte Wichels. Der Insolvenzplan des Einbecker Krankenhauses ist vor wenigen Tagen rechtskräftig geworden, Amtsgericht und Gläubigerversammlung hatten im Juni zugestimmt. Mit dem Ende des Insolvenzverfahrens ist der Weg zu einem Neustart frei geworden.

Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (CDU) lässt sich heute mit den Worten zitieren: „Das Bürgerspital gehört in unsere Stadt und in diese Region. Ich freue mich und bin sehr dankbar, dass diese schwierige Phase endlich beendet ist. Mit der jetzigen Konstellation hat das Haus sehr viel medizinisches und unternehmerisches Know-how. Das ist ein unschätzbares Potenzial, mit dem eine erfolgreiche Zukunft gestaltet werden kann.“

Im Mai 2018 war bereits ein Kaufvertrag mit der Investorengruppe Dr. Wichels abgeschlossen worden, der einen Trägerwechsel vorsah. Dieser fand jedoch im Krankenhausplanungsausschuss des Landes Niedersachsen keine einstimmige Zustimmung, weshalb es nun keinen so genannten Asset-Deal mit einer neuen GmbH, sondern einen „Share-Deal“ gibt, bei dem die Investoren in die bestehende GmbH eintreten und die Alt-Gesellschafter austreten. Zum Kaufpreis wollte sich Wichels nicht äußern. Zuletzt hatte das Bürgerspital in einer Geschichte des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ Schlagzeilen gemacht.

Dr. Reinhard Wichels.
Frederic Lazar.

Mit dem Ende der Insolvenz ist auch die neue Klinikführung komplett: Gemeinsam mit dem Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Volker Kliem sowie Pflegedirektorin Sabrina Anlauf wird Geschäftsführer Frederic Lazar das Einbecker Krankenhaus leiten. Lazar gehört zum Managementteam von Wichels und kennt das Haus schon länger. Kliem ist auch Ärztlicher Direktor am Klinikum Hann.Münden, wodurch die künftige enge Zusammenarbeit deutlich werde, sagte Wichels. Ein solches Netzwerk sei eine Chance für kleine Häuser.

Bereits abgeschlossen ist ein Haustarifvertrag, in dem die 326 Klinik-Mitarbeiter zunächst weiter einen Beitrag für die Sanierung leisten. Schritt für Schritt solle das Gehaltsgefüge aber wieder an den Flächentarif heran geführt werden, sagte Wichels. Dass dem Bürgerspital die Patienten die Treue gehalten haben, liege erheblich an den Beschäftigten, die trotz der vergangenen turbulenten Monate geblieben seien.

Der neu eingestiegene Praxisverbund (Radio-Onkologie-Netzwerk RON) wurde vor elf Jahren von dem Ehepaar Dr. Sandra Röddiger und Dr. Ralf Kurek in Württemberg gegründet. Mit dem Kauf in Einbeck setzt das Unternehmen, das nach eigenen Angaben inzwischen 25 Ärztinnen und Ärzte an neun Standorten beschäftigt, jetzt erstmals auch in Niedersachsen seine Wachstumsphase fort. Eingebunden seien strategisch und langfristig orientierte Finanzierungspartner, damit sei man von Banken unabhängig, sagten Röddiger und Kurek: „Wir freuen uns, dass wir mit dem Einbecker Bürgerspital die Möglichkeit haben, die medizinische Versorgung in der Einbecker Region sicherzustellen und auszubauen. Medizin sollte möglichst nah am Menschen sein, deshalb ist uns Wohnortnähe wichtig.“ Ebenso entscheidend sei modernste Ausstattung, Fachkompetenz, menschliche Zuwendung und Netzwerkarbeit. Die bisherigen Schwerpunkte und Abteilungen bleiben erhalten, sollen in Teilen weiter ausgebaut und spezialisiert werden.

Das Einbecker Krankenhaus hatte im August 2017 wegen drohender Zahlungsschwierigkeiten Insolvenz angemeldet. 2016 hatte es Streit zwischen den damaligen Gesellschaftern, mehreren Einbecker Familien, gegeben. Dieser auch öffentlich geführte Konflikt führte nicht nur zum Vertrauensverlust bei Patienten, Politik und Kostenträgern, sondern auch zu finanziellen Belastungen durch Abfindungen. Für das Ende 1970 eröffnete Sertürner-Krankenhaus ist es bereits die zweite überstandene Insolvenz. 2012 war die Klinik nach der Übernahme durch die AWO Sachsen-Anhalt in Schieflage geraten und 2013 als Einbecker Bürgerspital neu gestartet.

Das Einbecker Bürgerspital hat neue Eigentümer. Die Insolvenz ist beendet.

Nachtrag 23.07.2019: Kaum einen Tag nach der Bekanntgabe der neuen Eigentümer hat die Einbecker FDP per Pressemitteilung über ihren jüngsten Informationsbesuch im Bürgerspital berichtet, der bereits vor einigen Tagen stattgefunden haben muss. Einen genauen Termin nennen die Freidemokraten nicht, schreiben nur von „nach Abschluss der Widerspruchsfrist des jüngsten Insolvenzverfahrens“. Gesprochen haben die FDPler jedenfalls ausweislich des beigefügten Fotos mit dem bisherigen (Insolvenz-)Geschäftsführer Frank Dalljo und dem neuen Geschäftsführer Frederic Lazar. Die FDP begründet ihren aktuellen Besuch damit, dass Informationen aus erster Hand wichtig seien, um auf Bürgeranfragen zur Situation des Einbecker Krankenhauses angemessen antworten zu können. Die Klinik habe nicht zuletzt wegen der rund 320 Arbeitsplätze eine große Bedeutung für die Stadt. Interessant ist eine Formulierung zur Beteiligung der Stadt Einbeck in der Pressemitteilung: Die „stille Einlage“ der Stadt sei zur Forderungstabelle angemeldet worden, „Gelder daraus standen bereits bei Antragstellung nicht mehr zur Verfügung“, schreiben die Freien Demokraten. FDP-Fraktionschef Dr. Reinhard Binder hat nach den Worten der Presseinfo gefragt, was denn die Berechtigung zur Annahme gäbe, dass der neue Investor bzw. die neue Investorengruppe das Haus wirtschaftlich führen könne; da sei ausdrücklich auf die Erfahrung von Dr. Reinhard Wichels verwiesen worden, der bereits die Krankenhäuser in Hann.Münden und in Bad Münder erfolgreich begleitet habe. Darüber hinaus werde es eine Zusammenarbeit mit diesen Häusern geben, um medizinische Synergieeffekte zu nutzen. Einbeck bleibe aber in jedem Falle selbständig. Auf die Frage nach der Liquidität des Hauses und der Dauer der Gehaltszahlungen hat die FDP nach eigener Darstellung erfahren, dass die Zahlungen sicher seien.

Krankenhaus-Landschaft im Spiegel

Lange nichts mehr gehört von der Klinik auf dem Berge, dem Einbecker Bürgerspital (EBS). Jedenfalls nichts Offizielles. Eine solche Schweigsamkeit hat schon in der Vergangenheit stets mehr Sorgenfalten als Freude in Einbeck beschert. Im August 2017 hatte das EBS Insolvenz angemeldet, im Mai 2018 war die Investorengruppe um Dr. Reinhard Wichels eingestiegen. Nach meinen Informationen liegt inzwischen auch ein Insolvenzplan vor.

Da kommt gestern das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ mit einer Geschichte auf den Markt (hier nachzulesen, Spiegel+ nur für Abonnenten), die mit mehreren interessanten Details aufwartet und nicht ohne Widerhall bleiben dürfte. In dem Text geht es um zu viele Kliniken in Deutschland, und die Situation im Landkreis Northeim mit seinen drei Krankenhäusern dient als Beispiel. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD, laut „Spiegel“ ist sie parteilos) verteidigt nach Angaben des Hamburger Nachrichtenmagazins die Existenz aller drei Krankenhäuser, sie seien in einem Flächenlandkreis für die Versorgung wichtig. Den Chef der niedersächsischen Ersatzkrankenkassen zitiert der „Spiegel“, dass die Einbecker Klinik offenkundig keine Zukunft habe. Und auch der SPD-Landtagsabgeordnete und Gesundheitspolitiker Uwe Schwarz kommt in dem Bericht vor, er hat laut „Spiegel“ die Schließung des Einbecker Bürgerspitals verlangt, die Klinik in seiner Heimatstadt Bad Gandersheim kämpfe um jeden Patienten. Früher habe sich Schwarz für den Erhalt aller Kliniken in seinem Wahlkreis eingesetzt, schreibt der „Spiegel“. Der hiesige CDU-Bundestagsabgeordnete und Gesundheitspolitiker Dr. Roy Kühne hat sein Büro dem „Spiegel“ mitteilen lassen, dass er sich zu Klinikschließungen nicht äußere.

Meine jüngsten Anfragen vor einigen Wochen beim Investor und beim Insolvenzverwalter zur aktuellen Situation des Einbecker Bürgerspitals blieben bis dato ohne Antwort oder mit der Bitte beschieden, noch etwas Geduld zu haben.

Nachtrag 20.05.2019: Der Landtagsabgeordnete Uwe Schwarz hat heute darauf hingewiesen, dass die im „Spiegel“ ihm zugeschriebene Äußerung, er habe die Schließung des Einbecker Bürgerspitals verlangt, nachweislich falsch sei. Schon seit längerer Zeit werde versucht, ihm entsprechende Absichten zu unterstellen, auch aus dem Kreis der Einbecker Politik und Verwaltung. Uwe Schwarz hat heute den „Spiegel“ zur Gegendarstellung aufgefordert und darin den Sachverhalt noch einmal ausführlich begründet.

Nachtrag 21.05.2019: Die Einbecker CDU-Fraktion hat heute in einer Pressemitteilung eine Erklärung zu der angeblichen Äußerung von Uwe Schwarz gefordert. Sollten die Aussagen des „Spiegel“ zutreffen, wäre das „eine politische und persönliche Ungeheuerlichkeit“, wird CDU-Fraktionsvorsitzender Dirk Ebrecht in der Mitteilung zitiert. Schwarz müsse sich umgehend erklären. Die SPD sei in der Verantwortung, ihrem langjährigen Unterbezirksvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Schwarz „gehörig auf den Zahn zu fühlen, wie es mit dem immer erklärten Einsatz für das Einbeck Krankenhaus denn nun wirklich“ stünde. Auch der Kreistag habe ein Interesse an der Aufklärung der „Causa Schwarz“, so die CDU in ihrer Stellungnahme.

Nachtrag 23.05.2019: Der „Spiegel“ hat in seiner Online-Version (nur für Abonnenten) den Text in der den MdL Uwe Schwarz betreffenden Passage deutlich verändert. Dort steht nun, er habe sich stets für den Erhalt aller Kliniken seines Wahlkreises eingesetzt und „Politiker aus Einbeck unter der Hand“ würden behaupten, der Bad Gandersheimer Politiker habe das Bürgerspital aufgegeben. Mit einem Mal ist auch als Zitat der Begriff „Kopfkissenpolitik“ (bezieht sich darauf, dass die Ehefrau von Uwe Schwarz die Bad Gandersheimer Bürgermeisterin ist) im veränderten Artikel zu finden. Uwe Schwarz weist die Unterstellungen nun auch laut „Spiegel“ zurück, die CDU habe schon seit Jahren wider besseres Wissen versucht, Wahlkampf gegen ihn zu führen. Der „Spiegel“ macht in seiner aktuell online zu findenden Version bis dato nicht kenntlich, dass das Nachrichtenmagazin den Artikel verändert hat.

Nachtrag 24.05.2019: In einer umfangreichen Pressemitteilung informiert heute auch der SPD-Landtagsabgeordnete Uwe Schwarz darüber, dass der „Spiegel“ den entsprechenden Passus geändert habe. Dass die Unterstellung, Schwarz wolle das Bürgerspital schließen lassen, vor allem aus dem Kreis der CDU in Einbeck komme, stelle nun auch das Nachrichtenmagazin unmissverständlich klar, schreibt der Abgeordnete. Die Methoden der CDU würden offenbar immer perfider: Wider besseres Wissen würden zunächst falsche Tatsachenbehauptungen aus dem Kreis der örtlichen CDU in der Öffentlichkeit gestreut, damit sich dieselben Personen dann tags drauf hinstellen könnten, um ganz scheinheilig Aufklärung zu fordern, schreibt Schwarz. Besorgniserregend sei jedoch, dass „die politische Profilierung der Einbecker CDU immer wieder auf dem Rücken der Beschäftigten des Bürgerspitals abläuft, die sich selbstverständlich um die Zukunft ihres Krankenhauses und um ihre Arbeitsplätze Sorgen machen und bei jeder neuen Negativmeldung nachvollziehbarerweise aufschrecken“. Uwe Schwarz: „Wenn Dirk Ebrecht als CDU-Fraktionsvorsitzender in Einbeck nun von mir Aufklärung verlangt, obwohl die Unterstellungen aus seinen eigenen Reihen stammen, dann ist das genau der Stil, den er und einige andere im gesamten Landkreis seit Jahren praktizieren. Nämlich mit möglichst viel Dreck auf den politischen Kontrahenten werfen, um daraus für sich parteipolitisch einen Vorteil zu ziehen. Dass bei solchen Vorgängen wirklich alle einen Schaden nehmen und keinem einzigen Menschen in der Sache geholfen wird, möchte man bei der CDU leider bis heute nicht verstehen.“. 

Inzwischen hat die Einbecker SPD-Ratsfraktion die Einbecker Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (CDU) aufgefordert beizutragen, wie der „Spiegel“ zu seinen Behauptungen gekommen sein könnte. Laut Uwe Schwarz‘ Pressemitteilung war Michalek eine jener Akteure, die mit dem Nachrichtenmagazin über die Krankenhäuser im Landkreis gesprochen hatten. Fraktionschef Rolf Hojnatzki hat an die Bürgermeisterin mehrere Fragen formuliert: Die SPD will wissen, ob der „Spiegel“ bei der Recherche für den Artikel auch an Michalek herangetreten ist, wie sich gegebenenfalls Michalek gegenüber der Redakteurin geäußert hat, ob sie die zugeschriebene Einschätzung teile, dass Uwe Schwarz eine Schließung des Einbecker Krankenhauses betreibe. Eine Antwort steht bis dato noch aus.

Bürgerspital: Neubau-Pläne erst später

Das Einbecker Bürgerspital. Archivfoto.

Die neuen Eigentümer des Einbecker Bürgerspitals wollen den Klinikbetrieb zunächst im heutigen Gebäude stabilisieren. „In der bestehenden Infrastruktur lässt sich hervorragende Medizin anbieten“, sagte mir Dr. Reinhard Wichels nach einer Mitarbeiterversammlung am Donnerstag. Seine Investorengruppe wird zum 1. Juni die wirtschaftliche Verantwortung vom Insolvenzverwalter übernehmen und plant den endgültigen Betriebsübergang für den 30. Juni. Bis zu diesem Neustart in einer dann nicht mehr gemeinnützigen, neuen GmbH muss unter anderem noch ein Sanierungstarifvertrag für die mehr als 300 Mitarbeiter abgeschlossen werden. Wichels sieht hier „konstruktive Gespräche“. Einen Klinik-Neubau, der in Einbeck seit Jahren diskutiert wird, wollen die neuen Eigentümer erst zu einem späteren Zeitpunkt angehen, in Ruhe und mit Augenmaß, sagte Wichels. „Man braucht dafür einen guten Plan.“ Nur dann sei es erfolgversprechend, sich im Sozialministerium in Hannover um eine Förderung zu bemühen. Der Unterhaltungsaufwand für das 47 Jahre alte Gebäude ist für die neuen Investoren nach eigenen Angaben für einen gewissen Zeitraum tragbar.

Die Kooperationsmöglichkeiten mit dem Klinikum in Hann. Münden, wo die Investorengruppe um Dr. Reinhard Wichels seit 2016 Verantwortung trägt, hatten das Einbecker Krankenhaus besonders interessant für die neuen Eigentümer gemacht, da gebe es Potenzial, sagte er. „Das Behandlungsspektrum ergänzt sich hervorragend: Beide Häuser bieten eine ausgewogene Grundversorgung für die Bevölkerung der Region und haben zusätzlich noch wichtige Spezialgebiete“, beschreibt Wichels. Auch bei Einkauf und Materialbeschaffung werde man kooperieren und so bessere Konditionen erzielen. Das gesamte Behandlungsspektrum in Einbeck soll erhalten bleiben.

Die Verträge sind gemacht

Sachverwalter Manuel Sack (l.), Bürgerspital-Geschäftsführer Birger Kirstein und Rechtsanwalt Markus Kohlstedt. Archivfoto

Der Brückentag kann für das Einbecker Krankenhaus eine Brücke in die Zukunft sein: Wie der generalbevollmächtigte Rechtsanwalt des seit vergangenen August insolventen Bürgerspitals, Markus Kohlstedt, heute Nachmittag per Pressemitteilung erklären lässt, wurden am vergangenen Freitag die Verträge mit dem neuen Eigentümer des Einbecker Bürgerspitals unterschrieben. Es ist eine Investorengruppe um Dr. Reinhard Wichels, der 2016 bereits das Klinikum Hann.Münden übernommen hatte. Mit Wichels war seit geraumer Zeit verhandelt worden. Dass seine Gruppe es war, die sich jüngst im Bürgerspital vorgestellt hat, gilt in interessierten Kreisen als offenes Geheimnis. Die Übernahme der wirtschaftlichen Verantwortung in Einbeck soll ab 1. Juni erfolgen; der endgültige Betriebsübergang, für den laut Presseinformation noch einige Vollzugsbedingungen erfüllt werden müssen, ist für den 30. Juni vorgesehen. „Wir sind davon überzeugt, dass wir mit der Investorengruppe um Dr. Reinhard Wichels neue Eigentümer gefunden haben, die das Bürgerspital langfristig auf einen guten wirtschaftlichen Kurs bringen werden“, wird  Kohlstedt in der Presseinfo zitiert. Das Wichels-Team habe bereits am Klinikum Hann. Münden gezeigt, dass es ein Krankenhaus aus der Insolvenz heraus wirtschaftlich stabil aufstellen könne, es verfüge über herausragendes Know-how und langjährige Erfahrung im Klinikmanagement. „Die neuen Eigentümer bringen viel mehr mit als nur frisches Kapital“, erklärte Kohlstedt.

Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek wird in der Pressemitteilung mit den Worten zitiert: „Gemeinsam wird es uns gelingen, die wohnortnahe Krankenversorgung unserer Bürgerinnen und Bürger für die kommenden Jahre und hoffentlich Jahrzehnte zu sichern.“ Von einem Krankenhaus-Neubau, der zuletzt immer als Voraussetzung für eine Klinik-Zukunft in Einbeck gesehen wurde, ist in der ersten Mitteilung über den neuen Klinik-Eigentümer freilich nicht mehr die Rede.

Bürgerspital-Betriebsratsvorsitzender Berthold Kabelitz lässt sich mit den Worten zitieren: „Die letzten Monate waren hart, und der Betriebsrat ist stolz darauf, wie die Kolleginnen und Kollegen einmal mehr in dieser schwierigen Phase zu ihrem Einbecker Bürgerspital gehalten haben“. Seine Worte in der Presseerklärung könnten auch bereits einen ersten Hinweis darauf geben, warum es zuletzt jedenfalls offiziell so ruhig um das Bürgerspital wurde und warum anvisierte frühere Übernahme-Termine möglicherweise verstrichen sind. Es seien noch „einige wichtige Punkte“ zu verhandeln, heißt es da, gemeint ist ein Sanierungstarifvertrag. Kabelitz lässt sich so zitieren: „Es geht am Ende auch darum, mehr als 300 Arbeitsplätze zu erhalten. Jetzt muss noch alles dafür getan werden, Lösungen zu finden, mit denen alle Seiten gut leben können.“

Auch an der Zahl der erhaltenen Arbeitsplätze und deren Dotierung wird sich zeigen, ob diese neue Brücke eine gute ist.

Klinik-Investor stellte sich vor

Einbecker Bürgerspital. Archivfoto

Der potenzielle Investor für das im Insolvenzverfahren befindliche Einbecker Bürgerspital hat sich und sein Konzept bei einer Mitarbeiterversamlung einem Gläubigertreffen vergangenen Freitag vorgestellt. Darüber ist gestern der Verwaltungsausschuss des Stadtrates in Kenntnis gesetzt worden, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek auf Anfrage. Die Belegung- und Liquiditätssituation der Klinik sei gut, auch darüber werde der VA seit Beginn des Insolvenzverfahrens laufend in Kenntnis gesetzt. Wann es zu einem möglichen Vertragsabschluss mit dem interessierten Investor kommen kann ist noch offen. Die Gespräche aber laufen nach Mitteilung des generalbevollmächtigten Rechtsanwalts des Einbecker Bürgerspitals, Markus Kohlstedt „auf Hochtouren“.

Bürgerspital: Verhandlungen und Personalien

Dr. med. Albrecht Bornscheuer. Foto: Bürgerspital

Beim Einbecker Bürgerspital dauern die Verhandlungen mit einem potenziellen Investor an. Vor einer Unterschrift seien „noch einige essentielle Themen zu klären“, erklärte in dieser Woche der generalbevollmächtigte Rechtsanwalt der im Insolvenzverfahren befindlichen Klinik, Markus Kohlstedt. In welchem Zeitraum das geschehen werde, könne man nicht sagen, ergänzte heute Geschäftsführer Birger Kirstein. Im Gespräch ist das Krankenhaus auch weiterhin mit dem Sozialministerium in Hannover. Das Bürgerspital hat unterdessen einen neuen Ärztlichen Direktor: Dr. med. Albrecht Bornscheuer (59) hat bereits Mitte Januar beratend diese Funktion übernommen, wie das Krankenhaus auf seiner Internetseite mitteilt. Der gebürtige Einbecker ist Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin und nach 23 Jahren klinischer Tätigkeit als Senior Consultant bei der Bartels Consulting GmbH (Coesfeld) tätig. Bornscheuer hat viele Jahre in der Medizinischen Hochschule Hannover gearbeitet, war zuletzt von 2013 bis 2016 als Ressortleiter Medizin bei den AWO Gesundheitsdiensten Hann.Münden tätig.

Das Einbecker Krankenhaus ist auf der Suche nach einem neuen Chefarzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie – „ab sofort vor dem Hintergrund der Neupositionierung“, wie es in der Stellenanzeige heißt. Der bisherige Chefarzt Dr. med. Olaf Städtler wird das Bürgerspital verlassen. Das hat Markus Kohlstedt auf meine Anfrage bestätigt: „Die medizinische Versorgung wird sichergestellt, offene Positionen im Rahmen des Notwendigen neu besetzt.“ Städtler war seit der Neugründung des Einbecker Bürgerspitals 2013 bis Mitte 2017 medizinischer Geschäftsführer der Klinik und zeitweilig auch Mehrheitsgesellschafter. Im Herbst 2016 hatte es Streit zwischen den Gesellschaftern des Krankenhauses gegeben. Das Einbecker Bürgerspital sucht ferner Oberärzte für Innere Medizin. Zum Jahresbeginn hat das Krankenhaus seine Innere Medizin außerdem um den Schwerpunkt Pulmologie/Pneumologie, Allergologie und Beatmungsmedizin unter der Leitung von Dr. med. Andreas Kroll erweitert.