Der Hubboden des Lehrschwimmbeckens in der Geschwister-Scholl-Schule wird saniert. Die Stadt Einbeck bestreitet die Kosten aus dem eigenen Haushalt, ein Antrag auf Fördermittel war mehrfach abgelehnt worden. Der Stadtrat hat deshalb eine außerplanmäßige Ausgabe von bis zu 160.000 Euro beschlossen, das Geld stammt haushalterisch aus den 2024 für den Neubau der Kita Deinerlinde bereitgestellten Mitteln, der Bau dort verzögert sich, das Geld wird daher im Etat frei. Im Rat wurde bei der Diskussion deutlich, welches unterschiedliche Gewicht die einzelnen Fraktionen und Ratsmitglieder in der Thematik setzen möchten: Der Beschluss erfolgte mit großer Mehrheit, dagegen waren die BlGfE und Margharet Feldgiebel (FDP).
Für die BlGfE begründete Petra Bohnsack die Ablehnung ihrer Fraktion, die schon mehrfach öffentlich wurde und sich im Kern darum dreht, welche Schwimmbad-Infrastruktur sich Einbeck leisten könne, die Stadtwerke machten mit ihren Bädern ein sechsstelliges jährliches Defizit, sagte Bohnsack. „Leider ist das eingetreten, was wir gesagt hatten.“ Auch Margharet Feldgiebel (FDP) kritisierte die Sanierung eines 37 Jahre alten Hubbodens. Die Maßnahme ohne Möglichkeit einer Refinanzierung könne doch nicht überraschend kommen, sie habe offenbar nur nicht oben auf der Prioritätsliste gestanden, mutmaßte sie. „Ich glaube nicht, dass das keiner gesehen hat.“ Schwimmen lernen könne man aber auch ohne einen Hubboden, die Kosten für solche Technik müssten auch vielmehr von den Krankenkassen bzw. durch den Gesundheitssektor getragen werden, nicht von der Kommune. Ihre Fraktion habe auch bereits – vergeblich – einen Runden Tisch zum Thema Schwimmbäder gefordert, denn während auch das Schwimmbad der Stadtwerke ein Defizit einfahre, könne das von einem privaten Förderverein betriebene Hallenbad in Greene über die Runden kommen. Dabei müsse man aber beachten, erklärte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, dass das Hallenbad nur von Oktober bis März betrieben werde und der Landkreis Eigentümerin der Immobilie sei und sechsstellige Summen zuschieße. Bei den Stadtwerken werde das Bäder-Defizit nicht durch Strom/Gas quersubventioniert, dementierte die Bürgermeisterin entsprechende Aussagen, das sei gar nicht erlaubt. Erlöse aus Windrädern würden das Minus minimieren.
Alexander Kloss (parteilos) erklärte abweichend von seiner Fraktion, für die Sanierung zu stimmen. Das sei gut investiertes Geld, unter anderem mobilitätseingeschränkten Menschen sowie Kindern das Schwimmen und Bewegung im Wasser zu ermöglichen. Auch für Dirk Ebrecht (CDU) ist die außerplanmäßige Ausgabe gut verwendetes öffentliches Geld, Einbeck habe nun einmal durch seine Fläche eine große Infrastruktur – und man habe sich entschlossen, diese zu erhalten. Im Übrigen seien die Kapazitäten im Hallenbad ausgelastet, die Nutzer des Lehrschwimmbeckens könnten gar nicht so einfach ins Stadtwerke-Bad wechseln. Marcus Seidel (SPD) erinnerte daran, die Diskussion über das Lehrschwimmbecken schon vor Jahren ausführlich geführt zu haben. Mit breiter Mehrheit habe man damals festgehalten, dass das Schwimmbecken in der Geschwister-Scholl-Schule unverzichtbar sei. Die Sanierung sei nicht überraschend, im Haushalt eingeplant und komme zum jetzigen Zeitpunkt nur deshalb einigermaßen plötzlich, weil Einbeck bei beantragten Förderprogramm nicht zum Zuge komme. Seidel: „Deshalb müssen wir jetzt tätig werden.“
Der vor der Ratssitzung tagende Verwaltungsausschuss hatte vorbehaltlich des Ratsbeschlusses einen Auftrag für die Sanierung in Höhe von rund 154.000 Euro vergeben, um keine Zeit zu verlieren und damit die beauftragte Firma bei den langen Lieferzeiten tätig werden kann, die Maßnahme selbst wird aber erst im Sommer 2026 durchgeführt, denn die Hubbodenelemente müssen speziell angefertigt werden. Als Übergangslösung werden Edelstahlwinkel unter den einzelnen defekten Hubelementen installiert, das das Bad nicht zwei Jahre geschlossen bleiben muss. Zu der außerplanmäßigen Ausgabe kommen weitere 40.000 Euro für die Erneuerung der Elektrik. Dafür gibt es bereits im Haushalt einen Posten. Somit kommt die Gesamtmaßnahme auf Kosten von rund 200.000 Euro.
Das Lehrschwimmbecken ist seit Ende Juli gesperrt, die Sicherheitsmängel sollen bis Mitte September mit den Edelstahlwinkeln behoben werden.
