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Ein Jahr vor der Kommunalwahl 2026: Was schon klar ist und wann das Unklare klarer werden soll

Schild mit einem grünen Kreuz, Kommunalwahl,

In einem Jahr sind Kommunalwahlen, am 13. September 2026 werden Ortsräte und der Stadtrat gewählt, wird ein neuer Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin in Einbeck gesucht. Im Landkreis Northeim wird außerdem über einen neuen Landrat abgestimmt; die CDU nominiert am Montag ihren Kandidaten. Da sind die Parteien und Wählergemeinschaften und ihre Akteure natürlich hinter den Kulissen schon eifrig bei der Suche nach Personal und Programm. Die meisten lassen sich aktuell noch nicht in die Karten schauen und nennen auch keine Namen für eine Bürgermeisterkandidatur, aber für eine erste „Wasserstandsmeldung“ zwölf Monate vor dem Wahltermin reicht’s. Ich habe dafür alle im Stadtrat vertretenen Parteien, Wählergemeinschaften und Einzelratsherren um Antworten auf meine Fragen gebeten. Bislang leider nicht geantwortet haben die AfD und die FDP.

Die Einbecker SPD hat sich am vergangenen Wochenende auf der Heldenburg mit potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten getroffen. „Die bisherigen Rückmeldungen sind sehr vielversprechend“, erklärte Ortsvereinsvorsitzender René Kopka. „Wir prüfen derzeit, wer bei uns in der Mitgliedschaft für eine Kandidatur zur Verfügung steht. Aber auch externe Interessierte sind willkommen, wir wollen mit einem überzeugenden Kandidatenangebot antreten, mit Persönlichkeiten, die ihre jeweiligen Stärken im Sinne einer guten Rats- und Kreistagsarbeit einbringen können“, so René Kopka. Die Sozialdemokraten wollen im März ihre Kandidaten für den Stadtrat aufstellen. Das Programm und die Listen für Ortsräte sollen im Juni beschlossen werden. Für das Kommunalwahlprogramm sind laut Kopka erste Themenvorschläge eingegangen. Nach einer Klausurtagung im Januar soll das Programm dann ausformuliert werden. Dabei habe die SPD die Kernstadt und Ortschaften im Blick. Die finanziellen Herausforderungen seien den Sozialdemokraten sehr wohl bewusst, auch das gelte es daher bei den Vorstellungen zu berücksichtigen, sagte Kopka. Zur Frage der Bürgermeister-Kandidatur antwortete die SPD noch zurückhaltend: „Es wird eine Kandidatur geben“, schreibt Kopka. Mit möglichen Kandidatinnen und Kandidaten würden aktuell Gespräche laufen. Die Nominierungskonferenz ist für Februar vorgesehen. Unter Umständen werde es noch in diesem Jahr einen offiziellen Vorschlag des SPD-Ortsvereins geben. Denn im November werde ein neuer Ortsvereinsvorstand gewählt, der die weiteren Planungen der Kommunalwahl vornehmen werde. „Unser Ziel ist es, frühzeitig klare Strukturen zu schaffen und gemeinsam mit der Stadtgesellschaft ein starkes Programm für Einbeck zu entwickeln“, sagte Ortsvereinsvorsitzender René Kopka.

Die Einbecker CDU ist ebenfalls momentan in der Ansprache von potenziellen Kandidaten. „Natürlich ist es in Zeiten, in denen ehrenamtliche Politiker zunehmend angefeindet werden und auch deren Familien angegangen werden, sowie die Politikverdrossenheit immer größer wird und zunehmend nach einfachen Antworten auf komplexe Themen gesucht wird nicht einfach, Kandidaten für diese Wahlen zu gewinnen“, erklärte Sebastian Lange für den Stadtverband der Christdemokraten. Umso erfreulicher sei es, dass ausreichend geeignete Kandidaten bereit seien. Das Wahlprogramm der CDU wird vom Vorstand in Abstimmung mit der jetzigen CDU-Fraktion und mit Blick auf die Machbarkeit innerhalb einer Legislaturperiode geschrieben. „Hier sind wir darauf bedacht, keine Luftschlösser zu bauen, sondern vernünftige, nachhaltige Investitionen zu tätigen, die der Haushaltslage entsprechen“, beschreibt Lange. Wahlprogramm und Kandidierende will die CDU im Frühjahr 2026 veröffentlichen. Bereits am 19. November wollen die Christdemokraten ihre/n Bürgermeisterkandidat/in wählen. Dafür habe man in den vergangenen Monaten mit vielen Frauen und Männern gesprochen, auch außerhalb der CDU und außerhalb Einbecks. „Bisher gibt es noch keine andere Partei/Wählergemeinschaft, die an uns herangetreten ist, um unsere/n Kandidat/in mit zu unterstützen“, erklärt Sebastian Lange.

Die Wählergemeinschaft Bürgerliste „Gemeinsam für Einbeck“ (BlGfE) führt nach eigenen Angaben gegenwärtig Gespräche mit potenziellen Bewerberinnen und Bewerber für die Liste zum Stadtrat. „Als unabhängige Wählergemeinschaft legen wir Wert auf Eigenständigkeit, sachorientiertes Arbeiten und eine offene, respektvolle Haltung gegenüber unterschiedlichen Sichtweisen“, erklären Vorsitzender Dirk Strohmeyer und Hendrik Weidner. „Unser Ziel ist es, eine ausgewogene Mischung aus erfahrenen Kräften und neuen Gesichtern zu gewinnen, die ihre Ideen, Kompetenzen und Sichtweisen in die kommunalpolitische Arbeit einbringen möchten.“ In den Gremien und in für Mitglieder, Unterstützer und interessierte Bürger offenen Arbeitsgruppen diskutiere man außerdem bereits die inhaltlichen Schwerpunkte für die Kommunalwahl. Einen Zeitplan, wann Personal und Programm feststehen sollen, nennt die BlGfE nicht. „Zur Frage einer eigenen Kandidatur oder einer möglichen Unterstützung prüfen wir derzeit verschiedene Optionen“, erklären Strohmeyer und Weidner zum Thema Bürgermeisterwahl. Hier sei die BlGfE offen und unterstütze die Kandidatin oder den Kandidaten, die bzw. der „nach unserer Einschätzung die Region am besten voranbringen kann – vorausgesetzt -, sie oder er steht fest auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, tritt für Weltoffenheit ein und grenzt sich klar von extremistischen Positionen ab“.

Die Einbecker Grünen sprechen von einer „soliden Zahl“ an Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahl zum Stadtrat und den Ortsräten. „Dennoch sind wir stets offen und freuen uns über neue motivierte Menschen, die sich vorstellen können, für uns zu kandidieren“, schreibt Vorstandssprecherin Hannah Fleetwood. An den Infoständen auf dem Einbecker Marktplatz (das nächste Mal am 18. Oktober) sollen potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten ebenso wie neue Mitglieder geworben werden. Ergänzend nutzen die Grünen gezielt Social Media und Flyer, um über die politische Arbeit zu informieren und Interesse für eine Kandidatur zu wecken. Das Wahlprogramm erarbeiten die Grünen gemeinsam unter Leitung des Vorstands mit allen interessierten Mitgliedern. Die Vorbereitungen hierzu laufen, heißt es von den Grünen. Programm und finale Kandidatenlisten sollen im Frühjahr 2026 öffentlich vorgestellt werden. Werden die Grünen einen eigenen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl aufstellen oder andere Kandidierende unterstützen? „Noch gibt es zu diesem Punkt keine konkreten Pläne“, erklärte Sprecherin Hannah Fleetwood.

Ob Ratsherr Alexander Kloss (parteilos) im kommenden Herbst erneut als Einzelbewerber für Kreistag und Stadtrat kandidieren wird, hat er nach eigener Aussage für sich noch nicht geklärt. „Tatsächlich wird meine familiäre Situation im kommenden Jahr entscheiden, ob ich nach dann 25 Jahren im Stadtrat und fünf Jahren im Kreistag noch einmal kandidiere“, schreibt Kloss. „Große Lust habe ich schon.“ In der ablaufenden Wahlperiode habe er 37 Ratsanträge und 135 Einzelthemen im Einbecker Stadtrat sowie acht Anträge und 33 Einzelthemen im Northeimer Kreistag platziert, sein „Wahlprogramm“ schreibe sich quasi in einem fortlaufenden Prozess zumindest zu einem Teil auch durch viele Kontakte mit seinen Mitmenschen. Außerdem komme mit einem Alter von knapp 50 Jahren zur fachlichen Expertise auch immer mehr Lebenserfahrung hinzu, die bei wichtigen Entscheidungen helfe. Aber er möchte als Vater einer kleinen Tochter diese nicht nur kurz abends sehen. Seine Familie sei deshalb ein Grund, „künftig mein kommunalpolitisches Engagement mindestens effizienter zu dosieren“. Und noch etwas werde zumindest am Rande bei seiner Entscheidung für oder gegen eine erneute Kandidatur eine Rolle spielen: „Welche Menschen stellen sich ansonsten noch zur Wahl und welche davon sind auf aussichtsreichen Listenplätzen der Parteien abgesichert? In der schwierigen Situation, in der sich unsere Stadt mittlerweile befindet, wird es in der nächsten Wahlperiode den Teamgeist und Zusammenhalt des gesamten Rates benötigen, um Einbeck überhaupt einigermaßen zukunftsfest zu halten. Dafür wird es Menschen brauchen, die Brücken bauen und Gräben zuschütten können und ihr eigenes Ego dem Wohl der Öffentlichkeit unterordnen.“ Einer eigenen Bürgermeister-Kandidatur erteilt Kloss eine Absage: „Fest steht für mich zum gegenwärtigen Zeitpunkt, dass ich selbst meinen Hut nicht in den Ring werfen werde. Die familiäre Situation, aber auch meine berufliche Verantwortung fordern mich an anderer Stelle ausreichend und absolut erfüllend. Ob ich eine Kandidatin oder einen Kandidaten einer anderen Partei unterstütze, vermag ich heute nicht zu sagen.“ Einbeck brauche in den nächsten Jahren einen starken, parteiunabhängigen Verwaltungsmenschen als Stadtoberhaupt – möglichst mit fundierten Kenntnissen in Finanzen und Rechtswissenschaften, der zudem lokale und regionale Netzwerke nicht erst über Jahre aufbauen müsse. Kloss hofft, dass sich die großen Parteien im Sinne der Stadt auf einen einzigen gemeinsamen Kandidaten oder eine einzige gemeinsame Kandidatin verständigen.

„Ob ich als Einzelbewerber antrete oder in welcher Gruppierung, kann ich zurzeit nicht sagen“, antwortet der fraktionslose Einzelratsherr Helmar Breuker (CDU). „Ich spreche zurzeit mit vielen Menschen, und es wird sicherlich neue Personen außerhalb der traditionellen Parteien geben, die für den Rat kandidieren.“ Ohne seine politischen und persönlichen Freunde im Rat, Unterstützer/innen und  Wähler/innen außerhalb des Rates könnte er nicht die Arbeit leisten, die er ohne Fraktion seit 2022 leiste, erklärte Breuker. Er werde jetzt im Herbst Leitziele und Strategien durchdenken, er habe im vergangenen Vierteljahrhundert „sehr maßgeblich an den Wahlprogrammen der CDU Einbeck und den anschließenden Wahlkämpfen mitgewirkt und daher umfassende Erfahrungen“. Der kommende Wahlkampf werde durch eine weitere Vereinfachung und mit Blick auf die Finanzlage der Stadt Zuspitzung geprägt sein. „Die bisherigen Wahlprogramme in ihrer epischen Breite sind eher etwas für Multiplikatoren wie beispielsweise Journalisten, Lehrer oder Vereinsvorsitzende“, meint Breuker. Im kommenden Wahlkampf würden deshalb Leitziele und Entwürfe in entsprechend verkürzter und vereinfachter Form für die Bevölkerung entscheidend sein: „Welche Vorstellung hat man von Einbeck bis 2040 in einer immer digitaler, älter, vielfältiger und weniger werdenden Gesellschaft?“ Etwa um Ostern 2026 herum werde man klarer sehen, was Listen und Programme betrifft. Als Einzelbewerber müsste er Unterschriften sammeln. Helmar Breuker rechnet fest mit mehreren Kandidaten der großen Parteien in der Bürgermeisterwahl. Er könne sich aber eine Zusammenarbeit der kleineren Gruppen im Rat in dieser Frage vorstellen.

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